Karlsbader Mitteilungsblatt

Heimatverein Karlsbad

HEIMATGESCHICHTLICHES aus ITTERSBACH

10.11.2017

GEFALLENE DES 1. WELTKRIEGS

Als am 12. Januar 1893 der 26-jährige Steinhauer Friedrich Dann die ebenfalls 26-jährige Philippine Mohr heiratete, ahnte noch niemand, welcher Unstern über dieser Familie walten sollte.

Zunächst sah alles ganz gut aus: am 4. November 1893 kam das erste Kind, Friedrich Dann, zur Welt, jedoch sollte er – für die damalige Zeit äußerst ungewöhnlich – ein Einzelkind bleiben, denn gerade mal zwei Monate nach seiner Geburt verstarb sein Vater am 6. Januar 1894. Die Todesursache ist in den Kirchenbüchern nicht genannt.

Der junge Friedrich wuchs als Halbwaise auf und ergriff den Beruf des Malers. Am 16. Oktober 1913 wurde er zur Ableistung seines Militärdienstes zur 10. Kompanie des 170. Infanterie-Regiments nach Donaueschingen abkommandiert, wo er am 1. August 1914 den Ausbruch des 1. Weltkriegs miterlebte.

Schon am 6. August rückte er mit seiner Einheit ins Feld und nahm bereits am 9./10. August in Mülhausen am Gefecht bei Sennheim-Mülhausen teil. Seine weiteren Stationen waren Saarburg (Schlacht in Lothringen, 20. - 22. August) sowie Baccarat, Sainte-Barbe und Ménil-sur-Belvitte (Schlacht vor Nancy-Epinal, 23. August – 14. September), ehe ihn das Schicksal  am 23. September 1914 in Limey (Kämpfe bei Flirey, 16. – 30. September) im Alter von nur 20 Jahren ereilte. Auf welche Art er den Tod gefunden hat, erwähnt die Kriegsstammrolle nicht, doch traf es seine Kompanie an jenem Tag mit 4 weiteren Gefallenen und 8 Verwundeten, also Verlusten in Höhe von ca. 10 % der Kompaniestärke, äußerst hart.

Friedrich Dann (04.11.1893 - 23.09.1914)

Er wurde im Walde von Voisogne - ca. 3 km südwestlich von Limey - beerdigt, doch nachdem sein Name nicht in der Auflistung des Volksbundes Deutscher Kriegsgräberfürsorge auftaucht und folglich auch keine Umbettung auf einen Soldatenfriedhof erfolgte, steht zu befürchten, dass die Grablage – wie so viele andere – im weiteren Kriegsverlauf zerstört wurde.

Friedrich Dann ist als Erster auf der Ehrentafel der Ittersbacher Gefallenen abgebildet. Ob es auch die erste Todesnachricht war, die in Ittersbach eintraf, wissen wir nicht, denn in den Folgetagen und -wochen häuften sich die Todesfälle. Besonders tragisch war auf jeden Fall, dass der Witwe auch noch das einzige Kind genommen wurde. Philippine Dann heiratete nie mehr und überlebte ihren Sohn um 32, ihren Ehemann um 52 Jahre. Ironie des Schicksals, dass  es ihr sogar vergönnt gewesen wäre, die Goldene Hochzeit zu feiern, während ihr Gatte noch nicht einmal den ersten Hochzeitstag erleben durfte. Mit ihrem Tod am 13. November 1946 endete das Schicksal der Familie. (MGI)