Karlsbader Mitteilungsblatt

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Redaktionelle Berichte

Seit 70 Jahren verheiratet

27.05.2019

Berta und Emil Löhle aus Karlsbad-Langensteinbach feierten die Gnadenhochzeit

Das ganz besondere – und äußerst seltene – Fest der Gnadenhochzeit feierten jetzt Berta und Emil Löhle aus Langensteinbach, die sich am 20. Mai 1949 das Ja-Wort gaben und somit seit 70 Jahren verheiratet sind. Bürgermeister Jens Timm gratulierte auch im Namen von Ministerpräsident Erwin Kretschmann. Er überbrachte eine Glückwunschurkunde von ihm. Auf ihr Jubiläum stieß das Paar mit Sohn Volker und dem Rest der Familie an, der unter anderem drei Enkel und drei Urenkel angehören. Außerdem besuchte sie Reinhild Prautzsch – Pfarrerin im Ehrenamt.

Berta Löhle, geborene Rupp, ist Jahrgang 1923. Nach dem Schulabschluss 1937 leistete sie ihr „Pflichtjahr“ bei einem Bauer in Jöhlingen. Nach diesem Jahr arbeitete sie in der „Goldfabrik“ in Langensteinbach, ehe sie in die IWK - Industriewerke Karlsruhe („d‘ Patron“) dienstverpflichtet wurde. Nach einer weiteren Arbeitsstelle bei den Motorenwerken Ettlingen kam sie zur Firma Lorenz, ebenfalls in Ettlingen, bei der sie auch nach Kriegsende wieder arbeitete.

Der vier Jahre jüngere Emil lernte von 1941 bis 1944 bei der Bahn in Karlsruhe Maschinenschlosser. Dort arbeitete er dann auch – mit einigen Unterbrechungen -  bis Ende 1948. Während des Krieges musste er nämlich auch seinen Arbeitsdienst leisten und kam später zum Militär und gegen Kriegsende in englische Kriegsgefangenschaft im norddeutschen Cadenberge bei Cuxhaven. Dort war er mit dem gesamten Batallion in leeren Scheunen und Ställen untergebracht, ehe er dann nach Hause entlassen wurde.

Zu Hause meldete er sich dann wieder bei der Bahn und fand dort auch wieder Arbeit, allerdings nicht in seinem gelernten Beruf als Maschinenschlosser. Alle möglichen anfallenden Arbeiten mussten erledigt werden, erinnert er sich noch gut: Backsteine putzen, Kohlen schaufeln, Holz fällen.

In dieser Zeit fuhren die beiden gemeinsam im Zug – Berta nach Ettlingen, Emil weiter nach Karlsruhe. Und auch wenn sich die beiden bereits vorher gekannt hatten, entwickelte sich erst hier ein zartes Pflänzchen der Liebe zwischen den beiden. „Wer zuerst im Zug war, hat einen Platz freigehalten“, erinnert er sich schmunzelnd. Dann habe man sich immer mal wieder getroffen und irgendwann, so erzählt er, hätten sie gemeint: „Bei uns tät’s klappen.“ So gingen sie immer wieder gemeinsam tanzen und entschlossen sich dann zu heiraten. Und diese Entscheidung fällten sie gegen das Gerede vieler Leute. „Der ist viel zu jung, das macht man nicht“, bekam das Paar immer wieder zu hören. Doch sie ließen sich davon nicht abhalten und so heirateten sie 1949 in Langensteinbach.

„Das war ein arg mageres Geschäft“, sagt Emil, wenn er an die Zeit zurückdenkt. Das Brautkleid wurde von einer Freundin genäht, die Wohnung im Speicher des elterlichen Hauses in der heutigen Hauptstraße war noch leer. Es gab keine zusammenpassenden Betten, die Küche war auch noch nicht vorhanden. „Aber wir waren trotzdem glücklich“, erzählt Emil, der in den folgenden Jahren als Maschineneinrichter für die Firma Lorenz in der ganzen Welt unterwegs war – von ganz Europa über Russland und die Vereinigten Staaten von Amerika bis nach Brasilien.

1952 kam dann das erste Kind auf die Welt – eine Tochter. 1957 folge die Geburt des Sohnes. Als die Tochter 1981 starb, übernahmen sie das Sorgerecht für die damals vierjährige Enkeltochter, die dann sozusagen als drittes Kind bei den beiden aufwuchs. Noch heute wohnen Löhles, im stolzen Alter von  95 (Berta) und 92 (Emil) Jahren, in der Hauptstraße, gemeinsam mit Enkeltochter Tanja, ihrem Mann Bernd und den drei Urenkeln in einem echten Mehrgenerationenhaus. Auch Sohn Volker besucht die Eltern regelmäßig und erledigt ebenfalls Einkäufe und Arbeiten am Haus.

Wobei – die meisten Einkäufe erledigt Emil nach wie vor selbst. Dank seines Elektromobils fährt er immer noch regelmäßig ins Dorf und ins Schießhüttencenter und kauft für den täglichen Bedarf ein. Noch bis vor kurzem hat er täglich für sich und die Urenkel gekocht, wenn diese aus der Schule nach Hause kamen. Und auch wenn mittlerweile das „Essen auf Rädern“ angeliefert wird und die Bewegungen langsam schwerer werden – genießen sie doch die Zeit zu Hause im Kreis der Familie und freuen sich auf die Geburtstagsfeiern und „Kaffeekränzchen“ im Kreise der Freunde, bei denen gemeinsam gesungen und gelacht wird – so wie auch beim Bürgermeisterbesuch.

V.l. Berta und Emil Löhle mit Bürgermeister Jens Timm. Foto: Gemeinde Karlsbad

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