Karlsbader Mitteilungsblatt

Moment mal

Das Grab ist leer!

31.03.2021

Liebe Leserinnen und Leser,

kennen Sie die Geschichte von Jonathans Ei? Ich liebe sie und erzähle Sie Ihnen kurz: Jonathan war ein 12jähriger Junge, geistig und körperlich zurückgeblieben. Die Lehrerin hatte alle Mühe, ihn in die Klasse zu integrieren. Immer wieder kam sie an ihre Grenzen, bis sie schließlich den Eltern mitteilte, dass es zu schwierig sei, Jonathan zu unterrichten. Er solle bitte anderweitig unterrichtet werden. Die Eltern baten um Bedenkzeit. Dann kam Ostern. Die Lehrerin verteilte größere Plastikeier an die Kinder und bat sie, einen Gegenstand hineinzulegen, der neues Leben zeige. Sie war gespannt und gleichzeitig nervös, weil sie nicht sicher war, ob Jonathan die Aufgabe überhaupt verstanden hatte. Nach dem Wochenende lagen also die Eier der Kinder auf dem Tisch und sie öffnete eines nach dem anderen. Ein Kind hatte eine Frühlingsblume hineingelegt, ein anderes einen Schmetterling. Auch ein mit Moos bedeckter Stein kam zum Vorschein. Zu jedem Gegenstand konnte sie etwas über das Wunder des Lebens sagen. Ein Ei allerdings war leer. Sie schloss es schnell wieder und legte es zur Seite, um Jonathan nicht zu brüskieren. Da meldete sich plötzlich Jonathan. „Wollen Sie denn nicht über mein Ei sprechen?" fragte er. Verwirrt gab die Lehrerin zurück: „Aber Jonathan - dein Ei ist leer!" Er sah ihr offen in die Augen und meinte leise: „Ja, aber das Grab Jesu war doch auch leer!" Eine ganze Weile sprach niemand ein Wort. Als die Lehrerin sich endlich wieder gefangen hatte, fragte sie: „Jonathan, weißt du denn, warum das Grab leer war?“ – „O ja“, gab er zur Antwort, „Jesus wurde getötet und ins Grab gelegt. Aber dann hat ihn sein Vater wieder lebendig gemacht!“ Die Lehrerin war wie betäubt und sehr berührt. Dieser zurückgebliebene, rätselhafte Junge hatte das Geheimnis von Ostern besser verstanden als alle anderen Kinder.

Wir haben viele schöne Bräuche und Gewohnheiten und Traditionen an Ostern und freuen uns am Frühling, an versteckten Nestern, Schokoladehasen und freien Tagen. Das dürfen wir von Herzen genießen. Aber wir dürfen nicht vergessen, worum es an Ostern wirklich geht: Um das leere Grab. Dass Jesus auferstanden ist und den Tod besiegt hat – das ist die Mitte unseres Glaubens. Unser Herr lebt – und man kann ihm auch heute begegnen. Lassen wir es uns vom Engel zurufen: „Fürchtet euch nicht! Er ist auferstanden!“ (Mt 24,6f.).

In diesem Sinne: Frohe Ostern!

Ihr Pfarrer Johannes Werle

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