Karlsbader Mitteilungsblatt

ARCHIV: Moment mal

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Dankbar leben und leben lassen

05.10.2021 – 19.10.2021

Am vergangenen Sonntag war Erntedankfest – in diesem Jahr zugleich mit dem Gedenktag der deutschen Einheit.

Danken oder gar dankbar sein ist nichts, was mir derzeit besonders hoch im Kurs zu stehen scheint.

Es sind nach wie vor eher Ängste und Verunsicherungen, Sorgen, die mit der Pandemie und ihren Folgen zusammenhängen – Sorgen vor allem auch, was das Miteinander in unserem Land angeht. So manches Problematische ist in den vergangenen 1,5 Jahren noch deutlicher geworden – Polarisierungen etwa und das Abstempeln anderer. Bereitschaft und Fähigkeit, einander zuzuhören und verschiedene Meinungen und Haltungen als wertvoll zu achten, sind selten und kostbar geworden.

Paulus schreibt der Gemeinde im antiken Korinth: Wer da kärglich sät, der wird auch kärglich ernten; und wer da sät im Segen, der wird auch ernten im Segen. Gott aber kann machen, dass alle Gnade unter euch reichlich sei, damit ihr in allen Dingen allezeit volle Genüge habt und noch reich seid zu jedem guten Werk. 2Kor 9, 6.8

Was haben wir gesät in diesem Jahr? Und was ist aufgegangen? Wohinein haben wir unsere Wünsche, Hoffnungen und Erwartungen gesteckt und was ist daraus geworden?

Wo sind wir in unserem Wahrnehmen und Tun, unserem Denken und Reden uns selbst treu geblieben und wo haben wir uns, ohne zu prüfen, von lautstarken Meinungen bestimmen lassen?

Wo sind wir so eher ängstlich und eng, vielleicht sogar wie gelähmt geworden, sodass wir anderen Denkweisen und Meinungen als der eigenen nicht mehr zuhören, sie nicht mehr gelten lassen und nicht mehr gesprächsbereit sind?

Es ist ein weites Feld, auf dem wir uns da mit dem Sämann fragend bewegen …

Ein Feld, auf dem wir auch etwas von der Gnade Gottes wahrnehmen können, die er so reichlich gibt wie ein Sämann seinen Samen auf dem Feld und die uns allen zugutekommt. Die Fülle an Gnade, die Gott uns noch immer zukommen lässt - trotz allem: Obwohl wir immer wieder vergessen, dass wir Mitgestalter seiner Schöpfung sein sollen und nicht gnadenlose Zerstörer von Pflanzen und Tieren, Luft und Wasser; dass wir liebevoll und einander freilassend miteinander leben und Gnade vor Recht ergehen lassen sollen.

Bleiben wir offen und dankbar für die wunderbare Vielfalt des Lebens, die Gott uns schenkt, für all das, was uns immer wieder an Gutem zuteil wird, gerade auch durch andere Menschen!

Pfarrerin Ulrike Rauschdorf