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Majas wilde Schwestern – Wildbienen unterwegs

15.05.2023 – 29.05.2023

Machen Sie den Weltbienentag am 20. Mai zum Wildbienentag!

Es gibt sie in vielen Farben, Formen und Größen: Wer bei Bienen vor allem an gelb-schwarze Streifen denkt, unterschätzt die über 460 Wildbienen-Arten, die alleine in Baden-Württemberg vorkommen. Zum Weltbienentag am 20. Mai möchten wir drei Arten vorstellen, die man in Karlsbad   beobachten kann.

„Ohne Wildbienen und Hummeln gäbe es keinen Apfelsaft und keine bunten Wiesen. Denn sie bestäuben unsere Obstbäume und Wildpflanzen und sind unverzichtbar für die Ökosysteme. Aber sie finden kaum noch Nahrung und Nistplätze“, so NABU-Wildbienen-Beauftragte Sabine Holmgeirsson. Solche Lebensräume schafft Karlsbad, auf einigen Grünflächen[KW(1] , indem sie auf heimische Wildpflanzen setzt. Viele Wildbienen haben sich über viele Jahrtausende auf Pollen und Nektar weniger Pflanzenarten spezialisiert. Mit gebietsfremden Arten und exotischen Zuchtformen können sie nur wenig anfangen.

So wie im Laufe des Jahres verschiedene Pflanzenarten blühen und verwelken, kommen und gehen auch die Wildbienen.  Bestimmte Arten sammeln jeweils zu ganz bestimmten Zeitpunkten Pollen und Nektar. Die Wildbienen fliegen vier bis sechs Wochen – bis sie genug Nahrung gesammelt haben, um ihren Nachwuchs großzuziehen. Dann verschwinden sie in ihre Brutstätten und legen eine Brutzelle an. Darin befinden sich ein Ei und ein Pollenvorrat, von dem sich die Larven nach dem Schlüpfen ernähren. Die meisten Wildbienenarten – etwa 80 Prozent – nisten im Boden. Aber auch die Stängel vertrockneter Wildstauden oder abgestorbene Baumstämme sind beliebt.

In Karlsbad summt und brummt es

Startschuss für die naturnahe Umgestaltung der Grünflächen war die Teilnahme von Karlsbad beim NABU-Projekt „Natur nah dran“ im Jahr [KW(2] 2020. Die Flächen sind vor allem im Spielberger Friedhof und bei der Berghalle zu finden. Mit etwas Glück kann man dort folgende Bienenarten beobachten. Wichtig ist, die Bienen nicht zu stören oder zu berühren.

Holzbienen schillern blauschwarz und machen vor allem durch ihre Größe auf sich aufmerksam: Die Brummer erreichen annähernd 3 cm und gehören damit zu den größten Vertreterinnen der Bienen in Europa. Der Körperbau erinnert an den einer Hummel, sie ist allerdings nicht pelzig behaart. Die Blauschwarze Holzbiene mag es warm und trocken und nistet in Totholz.

Die Knautien-Sandbiene lebt solitär, das heißt sie bildet wie die meisten Wildbienen keine Völker. Ihr Name sagt schon ziemlich viel über ihren Lebensstil aus: Sie nistet in der Erde und ist spezialisiert auf den Pollen der Knautie, also der Witwenblume, und der Tauben-Skabiose. Beides sind Wiesenblumen, die auf den naturnahen Flächen zu finden sind. Zusammen mit der Knautien-Sandbiene kommt auch eine andere Art vor: Die Bedornte Wespenbiene ist nämlich darauf spezialisiert, ihre Eier in die Sandnester zu legen. Wie beim Kuckuck lebt die Larve dieser Wespenbiene im fremden Nest und ernährt sich von den Vorräten, die eigentlich den jungen Sandbienen zugedacht waren.

Die Skabiose lockt nicht nur die Knautien-Sandbiene an, sondern auch die Gelbbindige Furchenbiene, die allerdings beim Blütenbesuch nicht wählerisch ist. Während andere Tier- und Pflanzenarten unter den steigenden Temperaturen leiden, macht diese Furchenbiene das Beste daraus: Sie ist eine klare Klimawandel-Gewinnerin unter den Wildbienen und hat in den letzten Jahrzehnten ihr Verbreitungsgebiet stetig nach Norden erweitert. Zudem hat sie sich in den Mittelgebirgen in die vormals deutlich kühleren Höhen vorgewagt.

Alle können etwas für Wildbienen tun!

Beim Thema Artenvielfalt gilt die Devise „Jeder Quadratmeter zählt“. So können nicht nur Kommunen ihre Flächen in blühende Biotope verwandeln, sondern auch heimische Gärten oder Balkone bieten das Potenzial, zum Insekten-Paradies zu werden. Von diesen Tipps profitieren nicht nur Wildbienen, sondern auch andere Insekten, wie Schmetterlinge:

·         Verschiedene Blühzeiten für verschiedene Arten: Es ist wichtig, dass nicht alle Blumen zur gleichen Zeit blühen, sondern die Blühzeit sich möglichst lange erstreckt. Vom Winterling im Februar, dem Buschwindröschen im März und April über die Gewöhnliche Nachtviole von Mai bis Juli bis zur Berg-Aster von August bis Oktober.

·         Gefüllte Blüten, leeres Pollen-Buffet: Häufig haben Pflanzen im Baumarkt oder der Gärtnerei gefüllte Blüten ohne Staubblätter. Das sieht zwar ansprechend aus, aber Bienen und Hummeln finden hier weder Pollen noch Nektar. In den Einkaufswagen sollten deshalb nur insektenfreundliche Wildpflanzen mit ungefüllten Blüten.

·         Bio auch im Garten: Saatgut und Pflanzen sollten biologisch angebaut sein, denn Pestizide sind eine Bedrohung für Insekten. Ein naturnaher Garten reguliert sich selbst und kommt ohne Gift aus. Insekten wie Marienkäfer oder Florfliege halten als Nützlinge sogar Blattläuse in Schach.

Hintergrund:

Der Aktionstag am 20. Mai wurde 2018 von den Vereinten Nationen ins Leben gerufen, um darauf aufmerksam zu machen, welche wichtige Rolle Bienen als Bestäuber spielen.

Das Kooperationsprojekt „Natur nah dran“ von NABU und Land wird gefördert durch das Ministerium für Umwelt, Klima und Energiewirtschaft Baden-Württemberg. Ziel ist es, Städte und Gemeinden mit Rat und Tat dabei zu unterstützen, Grünflächen im Sinne der Biodiversität umzugestalten. Von 2022 bis 2027 werden jährlich 15 Städte und Gemeinden gefördert. Karlsbad war 2020 Teil von „Natur nah dran“ und hat 5 Flächen naturnah umgestaltet. In der Folge kamen noch weitere Flächen dazu.

In der ersten Projektstaffel wandelten von 2016 bis 2021 bereits 61 Kommunen über 230.000 Quadratmeter naturnah um. Text: NABU