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Weitere Informationen | 10.02.2026

Wie viel Wasser im Boden ankommt:

Jahresdaten zur Sickerwasserrate bei der LUBW online abrufbar

Die Landesanstalt für Umwelt Baden-Württemberg (LUBW) hat ihr Online-Angebot zur Grundwasserneubildung erweitert: Seit Februar 2026 stehen landesweit zusätzlich Daten zur Sickerwasserrate zur Verfügung. Sie ergänzen die bereits veröffentlichten Informationen zur Grundwasserneubildung aus Niederschlag und ermöglichen eine noch differenziertere Betrachtung der langfristigen Entwicklung der Grundwasservorräte.

„Diese Daten sind für Fachleute von großem Interesse, die langfristige Entwicklungen des Grundwassers analysieren – etwa in Behörden, Ingenieurbüros, Planungsverbänden, Wasserversorgungsunternehmen oder Universitäten“, sagt Dr. Ulrich Maurer, Präsident der LUBW. „Grundwasser reagiert langsam. Sickerwasserraten eignen sich daher nicht für kurzfristige Warnhinweise wie Hochwasserpegel. Ihre Stärke liegt vielmehr in der Analyse langfristiger Veränderungen. Mit entsprechendem Fachwissen können auch Landwirte, Fachmedien, Schulen und eine wissenschaftlich interessierte Öffentlichkeit die Informationen nutzen.“

Nicht jeder Niederschlag lässt das Grundwasser steigen

„Nicht jede Niederschlagsperiode führt automatisch zu einem Anstieg der Grundwasserstände. Hohe Niederschlagsmengen in kurzer Zeit führen in erster Linie zu viel oberirdischem Abfluss und zu wenig Neubildung von Grundwasser – sowohl im Winter als auch im Sommer. Der Klimawandel verändert das Schwankungsverhalten des Grundwassers: Häufigere Starkregen, weniger Schnee im Winter und längere Trockenphasen beeinflussen die Neubildung sowie den Zeitpunkt des höchsten Grundwasserstands“, erläutert Maurer.

Für alle 1.101 Gemeinden sowie für jeden der 44 Stadt- und Landkreise lässt sich die langfristige Entwicklung der Grundwasserneubildung und der Sickerwasserrate abrufen. Die Daten stehen sowohl für einzelne Jahre (1951 bis 2024) als auch als 30-jährige Mittelwerte für die Zeiträume 1951-1980, 1961-1990, 1971-2000, 1981-2010 und 1991-2020 zur Verfügung. Mitte 2025 erfolgte die Aktualisierung der Grundwasserneubildungsdaten für das Jahr 2024.

Die Datensätze sind über den Daten- und Kartendienst der LUBW abrufbar: https://umweltdaten.lubw.baden-wuerttemberg.de/w/grundwasserneubildung

Hintergrundinformation

Die zusätzlich zur Verfügung gestellten Daten der Sickerwasserrate für Baden-Württemberg stammen aus der landesweiten Langzeit-Berechnung mit dem Bodenwasserhaushaltsmodell „Grundwasserneubildung Baden-Württemberg“ und werden gezielt für den Jahresdatenkatalog Grundwasserneubildung aufbereitet. Die Sickerwasserrate wird in Karstgebieten (beispielsweise auf der Schwäbischen Alb) anstelle der Grundwasserneubildung für Fragestellungen zur Grundwasserbilanz herangezogen.

Übersichtliche Gestaltung und neuer Inhalt: Mittlere Grundwasserneubildung und Sickerwasserrate

Im Daten- und Kartendienst der LUBW wird auf der Unterseite „Grundwasserneubildung“ im Bereich „Karte“ die mittlere Grundwasserneubildung als dreißigjähriges Mittel für den Zeitraum 1991-2020 für die 44 Stadt- und Landkreise dargestellt.

In der Legende kann der Nutzer nun zusätzlich die Sickerwasserrate auswählen und sich für jeden Stadt- und Landkreis den Mittelwert in Millimeter pro Jahr anzeigen lassen.

Individuelle Datenselektion

Die Plattform ermöglicht eine individuelle Zusammenstellung der Daten. Räumliche und zeitliche Kriterien können für die Datenselektion festgelegt werden. Die selektierten Daten können für eine weitere Verwendung als Excel-Datei oder als Shape-Datei exportiert werden.

Bodenwasserhaushaltsmodell

Das Bodenwasserhaushaltsmodell ist ein modular aufgebautes, deterministisches und flächendifferenziertes Modell zur Berechnung der tatsächlichen Verdunstung, zur Simulation des Bodenwasserhaushaltes und der unterhalb der durchwurzelten Bodenzone gebildeten Sickerwassermenge.

Wie die meisten vergleichbaren Wasserhaushaltsmodelle benötigt das Bodenwasserhaushaltsmodell als meteorologischen Antrieb Daten der Niederschlagshöhe, der Lufttemperatur, der relativen Luftfeuchte, der Globalstrahlung oder Sonnenscheindauer sowie der Windstärke oder -geschwindigkeit. Die Berechnungen erfolgen landesweit auf insgesamt 102.677 Grundflächen, deren Geometrie auf der Verschneidung von Bodenkarten im Maßstab 1:50.000 und Daten zur Landnutzung (CORINE 2006) beruht.

CORINE ist die Kurzbezeichnung für (COoRdination of Information on the Environment) einem europaweiten Umweltinformationsprogramm, das auf der Grundlage von Satellitendaten Landnutzung und Landbedeckung ermittelt. Corinne 2006 ist die dritte vollständige Erhebung der Landbedeckung in Europa (nach 1990 und 2000).