Redaktionelle Berichte | 10.03.2026
Bereits im Vorfeld zeichnete sich das enorme Interesse ab, sodass der Hörsaal eigens zusätzlich bestuhlt wurde – und das aus gutem Grund: Der 2. KarlsbadConnect Business Abend stieß auf ein überwältigendes Echo. Weit über 130 Gäste – darunter Unternehmer, Selbstständige, Dienstleister, Ärzte sowie Schulleiterinnen und Schulleiter der weiterführenden Schulen – folgten der Einladung der gemeindlichen Wirtschaftsförderung. Dass das Format, welches zum zweiten Mal im Foyer und Hörsaal des SRH Klinikums Karlsbad-Langensteinbach stattfand, einen echten Nerv trifft, war an diesem Abend in jeder Minute spürbar.
Ein starker Standort mit Spitzenwerten
Den Auftakt machte Wirtschaftsförderer Tobias Brehm, der als Moderator durch den Abend führte. In seinem Rückblick auf das vergangene Jahr hatte er eine besonders erfreuliche Nachricht im Gepäck: Bei der IHK-Standortumfrage 2025 schnitt der Wirtschaftsstandort Karlsbad exzellent ab und belegte in zahlreichen Kategorien regionale Spitzenplätze. „Darauf können wir alle stolz sein“, wandte sich Brehm wertschätzend an das Publikum. „Sie als Unternehmerinnen und Unternehmer tragen dazu maßgeblich bei.“
Dass Netzwerken in Karlsbad nicht nur ein leeres Schlagwort ist, bewies anschließend Jörg Schwarzer, Geschäftsführer des SRH Klinikums Karlsbad-Langensteinbach, in seiner Begrüßung. Er lobte die herausragende Zusammenarbeit mit der Gemeinde und lieferte sogleich den Beweis, dass das Format „Business Abend“ handfeste Ergebnisse liefert: Im vergangenen Jahr hatte er hier den Speaker Prof. Dr. Volker Nürnberg kennengelernt. Aus dieser Begegnung entstand ein substanzielles gemeinsames Projekt mit beträchtlichem finanziellem Umfang. „Das Konzept funktioniert hervorragend“, so Schwarzer. Doch der Klinikchef schlug auch nachdenkliche Töne an. Mit Blick auf den drohenden Mangel von bis zu einer halben Million Pflegefachkräften in Deutschland in den kommenden zehn Jahren, richtete er einen eindringlichen Appell an den Saal. Das Klinikum bilde zwar intensiv aus, doch oft scheitere es am bezahlbaren Wohnraum. „Wenn Sie bezahlbaren Wohnraum haben, wir nehmen ihn! Wir müssen unsere Fachkräfte unbedingt am Standort binden, das geht aber nur, wenn sie hier auch leben können.“
Verantwortung übernehmen: „Zukunft entsteht nicht zufällig“
Bürgermeister Björn Kornmüller knüpfte in seiner strategischen Keynote direkt an das Thema Eigenverantwortung an. „Zukunft entsteht nicht zufällig. Sie entsteht dort, wo Menschen Verantwortung übernehmen“, eröffnete er seinen Vortrag. Er sprach den anwesenden Unternehmern seinen tiefen Respekt dafür aus, dass sie auch in wirtschaftlich stürmischen Zeiten Risiken nicht scheuen. Dass Karlsbad im Vergleich noch verhältnismäßig gut dastehe, sei dem exzellenten Branchenmix und dem unternehmerischen Mut vor Ort zu verdanken.
Diesen Mut bringt auch die Verwaltung auf. Kornmüller betonte, dass Wirtschaftsförderung keine kommunale Pflichtaufgabe sei, Karlsbad aber ganz bewusst in dieses Feld investiere. Ein Meilenstein war hierbei die erste Karlsbader Ausbildungsbörse im November 2025 – ein Format, das für eine Kommune dieser Größenordnung außergewöhnlich ist. „Wir haben hier eine starke Wirtschaft und ein topmodernes Schulzentrum. Wir müssen diese beiden zusammenbringen und die Fachkräfte von morgen an uns binden“, so der Rathauschef.
Kornmüller scheute sich jedoch auch nicht, die harten Realitäten anzusprechen. Die kommunalen Finanzen stünden landauf, landab unter enormem Druck. Während die Stadt Karlsruhe über eine weitere Haushaltssperre diskutiert und der Landkreis Karlsruhe ebenso in großen finanziellen Schwierigkeiten steckt, halte Karlsbad den Kurs – noch. „Wir bekommen das im Moment alles noch hin, aber es muss sich von oben etwas bewegen. Den Kommunen werden immer mehr Aufgaben aufgebürdet“, warnte er. Für Karlsbad bis 2030 gab er dennoch eine klare Marschroute vor: „Nicht nur verwalten, sondern ermöglichen.“ Die Verwaltung verstehe sich als Partner der Wirtschaft. Mit offenen Türen, Verlässlichkeit und Geschwindigkeit wolle man Raum für Innovationen bieten. Allein in das Schulzentrum seien in den vergangenen Jahren über 25 Millionen Euro investiert worden, weitere Investitionen in die Grundschulen folgen. Kornmüller schloss unter großem Applaus: „Zukunft wird von Menschen gemacht, die gestalten wollen. Danke, dass Sie in Karlsbad investieren!“
Impulse aus dem Profisport: Die Kraft von Motivation und Disziplin
Nach den strategischen Einblicken wurde es sportlich und hochgradig inspirierend. Dirk Effenberger und Ramin Abtin von der Kampfsportakademie Karlsbad sprachen über „Sport, Motivation und Engagement“. 2016 hatten sie aus einer alten Kfz-Halle in Eigenregie ein puristisches Gym im amerikanischen Stil erschaffen.
Die beiden Experten lieferten handfeste Ratschläge für den Umgang mit dem vielzitierten inneren Schweinehund. „Wenn Sie sich ein Ziel setzen, dann verfolgen Sie dieses. Fangen Sie erst gar nicht an, mit sich zu diskutieren, wenn es mal schwierig wird. Beenden Sie diese Diskussion mit sich selbst, sie hilft Ihnen nicht weiter. Bleiben Sie dran!“, forderte Effenberger. Ramin Abtin, langjähriger Profiweltmeister im Vollkontakt-Kickboxen, räumte mit einem Mythos auf: „Glauben Sie nicht, dass Profisportler immer und jeden Tag topmotiviert sind. Das sind sie nicht. Aber sie ziehen es durch.“ Er erzählte von seinen Anfängen als 14-jähriges Talent und dem Lehrgeld, das er in Form von Niederlagen zahlen musste. „Hätte ich damals aufgegeben, wäre ich niemals Weltmeister geworden. Rückschläge gehören dazu.“
Wie stark dieser Durchhaltewille wirkt, zeigten die beiden anhand ihres Engagements im TV-Format „The Biggest Loser“. Die acht Kandidatinnen und Kandidaten, die sie über die Jahre betreuten, verloren zusammen unfassbare 1,8 Tonnen an Gewicht – und gewannen ein völlig neues Leben. Effenbergers abschließender Tipp an die Führungskräfte im Saal widmete sich der Art der Motivation: „Sie können Leute negativ motivieren und ihnen nur Fehler aufzeigen, oder Sie motivieren positiv und bestärken sie in ihrem Tun. Raten Sie mal, was besser funktioniert. Seien Sie positiv!“
Ausblick und Ausklang
Den Schlusspunkt des offiziellen Teils setzte Tobias Brehm mit einem Ausblick auf den prall gefüllten Veranstaltungskalender. Er kündigte einen IHK-Workshop für Gewerbetreibende zum Thema Google MyBusiness, Instagram und Facebook am 5. Mai an, sowie das nächste Karlsbader Ärztetreffen am 29. Juli. Ein besonderes Highlight wirft ebenfalls seine Schatten voraus: Aufgrund des massiven Zuspruchs wird die 2. KarlsbadConnect Ausbildungsbörse am 7. November noch größer ausfallen als bei ihrer Premiere.
Im Anschluss an die Vorträge war an ein schnelles Ende nicht zu denken. Bei guten Gesprächen und intensiven Netzwerken verweilten viele Gäste noch bis tief in den Abend im Foyer des Klinikums. Das Fazit der Teilnehmer fiel einhellig aus: Die Forderung nach einem 3. Business Abend im kommenden Jahr war unüberhörbar – ein Wunsch, dem die Gemeinde überaus gerne nachkommen wird.
