Redaktionelle Berichte | 14.04.2026
Wer oft im Wald unterwegs ist, fragt sich vielleicht manchmal: Warum bleiben Stämme im Wald liegen? Kann man das Holz nicht nutzen? Lässt man da nicht Geld liegen? Und warum wird nicht alles aufgeräumt?
Wertvolle Lebensräume
Der Wald ist kein Garten. Was auf den ersten Blick als unordentlich oder verschwenderisch wahrgenommen wird, ist in Wirklichkeit ein wichtiger Bestandteil eines gesunden Ökosystems. Alte, absterbende Bäume, bereits abgestorbene Bäume und liegendes Holz sind wertvolle Lebensräume. In und unter Totholz leben zahlreiche Insekten, Pilze und Mikroorganismen.
Spechte sind zum Beispiel auf stehendes Totholz angewiesen. Bunt- und Schwarzspechte zimmern ihre Bruthöhlen in abgestorbene oder geschwächte Bäume. Diese Höhlen werden anschließend oft von anderen Vogelarten, Fledermäusen oder zum Beispiel Siebenschläfern weitergenutzt. Auch Insekten, wie Totholzkäfer oder holzbewohnende Wildbienen und Wespen benötigen stehendes Totholz.
Selbst liegendes Totholz nützt der Ökologie
Irgendwann brechen diese Bäume zusammen oder fallen um. Auch dann sind die Bäume noch ein wichtiges Habitat.
Liegendes Totholz ist sogar für noch mehr Insekten nutzbar. Viele Insektenarten sind streng an es gebunden. Zudem bietet es Verstecke für Amphibien und Reptilien. Salamander, Erdkröten oder Blindschleichen schützt die feuchte Umgebung zusätzlich vor dem Austrocknen. Auch Kleinsäuger wie Mäuse nutzen liegendes Holz als Versteck oder Futterlager. Selbst Igel können darunter Schutz finden.
Totholz speichert außerdem Feuchtigkeit und schützt den Boden vor Austrocknung. Es liefert Nährstoffe für die nächste Waldgeneration.
Besonderer Blick auf Bäume an Wegen und öffentlichen Einrichtungen
Natürlich hat die Sicherheit der Waldbesuchenden oberste Priorität. Entlang von Wegen und an öffentlichen Einrichtungen werden sehr gefährliche Bäume entfernt oder kontrolliert. Abseits der Wege jedoch darf der Wald an vielen Stellen bewusst „wilder“ wirken.
Wirtschaftlich gesehen verzichtet die Gemeinde auf einen Teil der Holzerlöse. Stämme könnten ansonsten an Sägewerke oder mindestens als Brennholz verkauft werden. Kronenmaterial könnte von Schlagraumern gegen Entgelt aufgearbeitet werden.
Doch der Wald ist mehr als ein Rohstofflieferant. Er ist auch in erster Linie Lebensraum.
Und optisch? Manche Walbesucher meinen, der Wald würde ästhetischer aussehen, wenn man Reisig und liegendes Holz komplett entfernen und es nicht so kreuz und queer im Wald liegen lassen würde. Jedoch würde dann auch das Singen der Vögel, das Hämmern der Spechte und das Krabbeln der Käfer am Boden verschwinden.
Ein gesunder Wald ist kein aufgeräumter Wald. Wald ist vielfältig, lebendig und manchmal auch etwas chaotisch. Genau darin liegt seine Stärke.
Vielen Dank für Ihr Verständnis!
Bei weiteren Fragen zu Alt- und Totholz schreiben Sie mir eine Email an: Alexander.mohr@landratsamt-karlsruhe.de
