Redaktionelle Berichte | 30.03.2026
Leben und Werk der Dichterin Else Lasker-Schüler (1869-1945) waren Thema der jüngsten Szenischen Lesung in der Gemeindebücherei. Geboren in Elberfeld, heute ein Stadtteil von Wuppertal, in eine großbürgerliche deutsch-jüdische Familie, führte die Lyrikerin, Erzählerin und Dramatikerin ein unstetes Leben. Geprägt war dieses von ständigem Geldmangel. Norbert Frensch hatte viele interessante Texte über und von Else-Lasker Schüler ausgesucht, die er spannend aufbereitet hatte und zusammen mit Sigrun Maurer dem andächtig lauschenden Publikum vortrug. Die ungewöhnliche, exzentrische Persönlichkeit der Dichterin kam einem dabei sehr nahe. Bereichert wurde die Szenische Lesung von stimmungsvollen, teils melancholischen, teils heiteren Stücken des Karlsbader Klezmer-Ensembles.
Bewegte Vita
1912 lernte Else Lasker-Schüler in Berlin Gottfried Benn kennen. Mit ihm verband sie viele Jahre eine tiefe Freundschaft. Er bezeichnete sie als „die größte Lyrikerin, die Deutschland je hatte“. Norbert Frensch, alias Dr. Benn, beschrieb ihren extravaganten Kleidungsstil, ihre fast asketische Lebensweise und ihre Eigenheit, in verschiedene Personen zu schlüpfen, wie Jussuf, den Prinz von Theben oder Tino von Bagdad. Auch ihre zahlreichen Briefe an den Maler Franz Marc, einen der führenden Köpfe des „Blauen Reiter“, unterschrieb sie mit den unterschiedlichsten Namen. So entstanden Marcs Kartengrüße an den Prinzen Jussuf. Diese umfangreiche Korrespondenz, aus der Sigrun Maurer sehr bewegende Stellen vorlas, endete erst mit dem Tod Franz Marcs 1917 in Verdun. 1927 starb Else Lasker-Schülers Sohn Paul, 1933 floh sie in die Schweiz.
1939 reiste sie nach Palästina und der Ausbruch des 2. Weltkriegs macht eine Rückkehr nach Europa unmöglich. Else Lasker-Schüler hatte sich immer als deutsche Jüdin verstanden und das Jerusalem, in dem sie nun lebte, war nicht die Stadt, die sie sich erhofft hatte. 1945 starb sie, entfremdet von ihrer Umwelt, in Jerusalem.
