Moment mal | 05.05.2026
Morgen ist es 81 Jahre her, dass der Zweite Weltkrieg mit der Kapitulation der deutschen Wehrmacht zu Ende ging, jedenfalls in Europa. Viele Millionen waren in den sechs Jahren eines furchtbaren Krieges gefallen, kamen in Bombennächten ums Leben oder wurden in Vernichtungslagern ermordet. Ungezählte befanden sich aber noch viele Jahre in Kriegsgefangenschaft oder waren für immer aus ihrer Heimat vertrieben. Deutschland und weite Teile Europas waren zerstört, die Wirtschaft lag am Boden, und kaum jemand wagte zu hoffen, dass es je wieder Frieden, Versöhnung und ein neues Leben geben könnte.
Und doch geschah das Wunder: Ehemalige Kriegsgegner reichten einander die Hand. Ein beispielloser Wiederaufbau ließ unser Land neu erstehen. Viele wurden wieder gesund an Leib und Seele und fanden eine neue Heimat. Manche haben es damals gewagt, nach der persönlichen Schuld und dem eigenen Versagen in der Zeit von 1933 bis 1945 zu fragen. Sie hatten erlebt, wohin nationale Überheblichkeit und feiges Wegschauen führen. Sie versuchten nun, nach der politischen und moralischen Katastrophe jener Jahre eine Gesellschaft mitzugestalten, in der Gerechtigkeit herrscht und in der Demokratie wirklich gelebt werden kann.
Viele Christen sahen damals auch Gott am Werk. Sie waren überzeugt: Gott ließ dieses Wunder geschehen. Er wollte nicht, dass seine Geschöpfe in Schuld und Elend versinken. Gott wollte und will, dass unser Leben gelingt. Und er macht auch heute und immer wieder Mut zu verantwortlichem Mitdenken, zu ehrlicher Selbstkritik und zu beherzten Schritten auf dem Weg des Friedens. Gott sei Dank!
Herzliche Grüße! Ihr Christian Sauermann, Pfarrer i. R.