Landkreisinformationen | 11.05.2026
Die Streuobstinitiative steht auch nach 30 Jahren für den Erhalt der Kulturlandschaft
Die Streuobstinitiative im Stadt- und Landkreis Karlsruhe e.V. feiert am 8. Mai 2026 ihr 30-jähriges Bestehen. Mit einem Festakt im Weingartener Rathaus beging der Umweltschutz-Verein am Abend sein Jubiläum. Dazu waren zahlreiche Gäste geladen. Unter ihnen Umweltstaatsekretär Andre Baumann, Landrat Christoph Schnaudigel und viele politische Vertreter aus Region.
In seinem Rückblick betonte der Vorsitzende der Initiative, Hans-Martin Flinspach, die zentrale Motivation der Gründung des Vereins im Jahr 1996: „Schon damals ging es darum, den zunehmenden Verlust der Streuobstwiesen als prägendes Element der Kulturlandschaft und als Hotspots der Artenvielfalt aufzuhalten.“ Hauptursache für den fortschreitenden Rückgang der Streuobstflächen sei damals wie heute die mangelnde Wirtschaftlichkeit gewesen. Dem konnte die Initiative erfolgreich entgegenarbeiten: „das Bücken nach dem Obst lohnt sich bei uns wieder“, sagte Flinspach.
Umwelt-Staatssekretär Andre Baumann erklärte in seinem Grußwort: „Die Streuobstinitiative Karlsruhe hat wichtige Pionierarbeit geleistet. Der Einsatz für die wertvollen Streuobstflächen kommt der Artenvielfalt ebenso zugute wie der Region. Die Streuobstinitiative zeigt: Landbewirtschaftung und Naturschutz gehören zusammen.“
Heute betreut der Verein rund 280 Vertragsnehmer mit etwa 1.250 Grundstücken und einer Fläche von rund 210 Hektar. Fast alle Obstwiesen werden ökologisch bewirtschaftet und sind biozertifiziert. „Das bedeutet: wir machen aktiven Umweltschutz auf über 200 Hektar im Stadt- und Landkreis Karlsruhe“, so Hans Martin Flinspach.
„Genauso wie Kaffeebauern in Nicaragua faire Preise für ihren Kaffee bekommen sollen, haben unsere Streuobstbewirtschafter Anrecht auf faire Preise,“ sagte der Landtagsabgeordnete Markus Rösler (Grüne) in seinem Festvortrag. Der Sprecher des Bundesfachausschusses Streuobst im NABU erklärte weiter: „Streuobstwiesen sind Schatzkästlein der Biologischen Vielfalt in ganz Europa – mehr Vielfalt gibt’s nirgends.“
Neben der Vermarktung von Streuobstprodukten, darunter Apfelsaft, Schorle, Cidre und weitere Spezialitäten, engagiert sich die Initiative auch in der Landschaftspflege und der Umweltbildung. Über 20.000 Obstbäume wurden in den vergangenen drei Jahrzehnten im Stadt- und Landkreis Karlsruhe neu gepflanzt, hinzu kommen regelmäßige Schnittkurse, Beratungsangebote sowie Naturschutzprojekte.
Erwirtschaftete Überschüsse des Vereins fließen demnach gezielt in ökologische und regionale Projekte zurück. Dazu zählten unter anderem die Förderung von Neupflanzungen, Maßnahmen zum Artenschutz – etwa für den Steinkauz – sowie die Unterstützung von Bildungs- und Erlebnisangeboten rund um die Streuobstwiesen.
Ein wesentliches Merkmal der Initiative sei die konsequente Kontrolle der gesamten Wertschöpfungskette: Das Obst bleibe vom Baum bis zum fertigen Produkt im Eigentum der Initiative. Ernte, Verarbeitung und Vermarktung erfolgten in eigener Verantwortung, ebenso das wirtschaftliche Risiko. Dieses Modell ermögliche eine außergewöhnlich hohe Transparenz und Qualitätssicherung.
Die Streuobstinitiative im Stadt- und Landkreis Karlsruhe arbeite wirtschaftlich und eigenständig und komme weitgehend ohne zusätzliche staatliche Förderung aus, so Flinspach. Durch effiziente Strukturen und ein hohes ehrenamtliches Engagement könne eine bessere Vergütung der Vertragsnehmer für die aufwändige Pflege der Streuobstwiesen erreicht werden.
„Streuobstwiesen sind weit mehr als schöne Landschaften. Sie sind Zentren der Biodiversität, Orte der Erholung und ein wichtiges Stück Heimat, erklärte Landrat Christoph Schnaudigel in seinem Grußwort. „Dass sie erhalten bleiben, ist keine Selbstverständlichkeit, sondern das Ergebnis von Einsatz, Fachwissen und echter Überzeugung.“
Ein weiterer zentraler Baustein für den Erfolg der Initiative sei auch nach 30 Jahren die lückenlose Kontrolle aller Vertragsflächen, so der Vorsitzende ans Martin Flinspach. Der Verein und seine Vertragsnehmer unterziehen sich einer regelmäßigen Kontrolle im Rahmen der Ökozertifizierung. Alle Flächen werden darüber hinaus in regelmäßigen Abständen von geschultem, ehrenamtlichen Personal begangen und geprüft. Damit übernehme die Initiative eine hohe Verantwortung gegenüber Obstbauern und Kunden gleichermaßen und gewährleiste zudem die Einhaltung ökologischer Bewirtschaftungsstandards.
Mit der Weitergabe ihrer Erfahrungen durch Vorträge und die Mitarbeit in Fachgremien trage die Initiative dazu bei, eine nachhaltige Bewirtschaftung von Streuobstwiesen über die eigene Region hinaus zu stärken. Wichtig sei auch die Zusammenarbeit mit anderen Initiativen, etwa im Rahmen der „Biobande“, die eine überregionale Vermarktung ermögliche. („Biobande“ ist Titel einer Kooperation der Karlsruher Streuobstinitiative mit der Streuobst-Initiative Calw-Enzkreis-Freudenstadt e.V.)
Flinspach betonte in seinem Rückblick auf 30 Jahre Streuobstinitiative die enge Zusammenarbeit mit den Obstbauern und die Unterstützung durch Kommunen und Partnerbetriebe im Stadt- und Landkreis Karlsruhe. Die Arbeit der Initiative wirke damit weit über die eigenen Flächen hinaus: sie habe eine Vorbildfunktion und stehe für den Erhalt einer vielfältigen Kulturlandschaft.

