Aus der Arbeit des Gemeinderates | 11.05.2026
Der Gemeinderat nahm die vorgestellte Planung zum Neubau des Feuerwehrgerätehauses Karlsbad Langensteinbach zur Kenntnis. Er beschloss den Neubau des Feuerwehrgerätehauses auf dieser Basis.
Feuerwehrgerätehausplanung
Nico Dürr vom beauftragten Planungsbüro Buerohauser erklärte die Details. Der grundsätzliche zeitliche Ablauf ist folgender: Bau vom neuen Gebäude mit anschließendem Bezug. Dann wird das alte Gebäude abgerissen und am Ende die Außenanlagen gebaut. Das geplante Bauvorhaben umfasst den Neubau eines Feuerwehrhauses in Karlsbad‐Langensteinbach sowie den Abbruch des vorhandenen Bestandsgebäudes. Das Gebäude soll aktuelle Anforderungen der Feuerwehr übernehmen sowie funktional, nachhaltig und zukunftsorientiert gestaltet werden. Der Bau soll in Holzbauweise mit einem Betonsockel ausgeführt werden. Vorgesehen ist ein eingeschossiges Gebäude mit unterschiedlichen Dachhöhen. Die Halle wird komplett in Betonbauweise (bis auf die Dachträger und Zwischendecke aus Holz) erstellt. Am Bestand erfolgt ein kleiner Teilabriss (vorhandener Anbau an das bestehende Feuerwehrhaus). Dieser Abriss ist durch den Neubau erforderlich. Das darin untergebrachte Fahrzeug kann problemlos anderweitig untergebracht werden. Der Erdbau beginnt noch in diesem Jahr. Im Eckbereich (Bereich am südlichen Ende des vorhandenen Baukörpers - Grundstücksecke) entsteht noch ein Bau. Es handelt sich um die Netzersatzanlage und eine kleine Garage für zwei Anhänger. Nach Norden fahren die Fahrzeuge aus, südlich in den Hang hinein parken die Einsatzfahrzeuge. Die Parkplätze nach Westen hin werden erstellt, sobald der Bestand abgerissen ist.
Gebäudeaufteilung
Haupt- und Alarmeingang befinden sich südlich. Vorn – nördlich – ist auch ein Eingang. Es gibt Eingänge jeweils für Männer und Frauen. Geplant ist eine große Umkleide, die flexibel trennbar ist. Die Jugendfeuerwehr bekommt einen getrennten Umkleidebereich. Nach dem Umkleiden gehen die Wege zu den Fahrzeugen. Auch eine Bereitschaftszone ist eingeplant. Nach dem Einsatz gehen die Feuerwehrangehörigen in die getrennten Schleusenbereiche. Dort wird das Material getrennt nach Schwarz- und Weißbereich abgelegt bevor es in den Umkleide- und Duschbereich geht. WCs gibt es für Männer, Frauen und ein Behinderten-WC. Die Halle bietet Platz für sieben Fahrzeuge, der Platz für das siebte Fahrzeug ist gleichzeitig die Waschhalle.
Die Fahrzeuge haben vor der Halle wenig Platz zum Aus- und Einfahren. Etwas rangieren ist nötig.
Im südwestlichen Gebäudeteil ist ein kleiner Technikraum vorgesehen. Außerdem sind eine Regalzone, Stuhllager, Lagerfläche und Bereitschaftszone eingeplant. Sozialtrakt (Schulungsraum für 40-50 Personen, eine kleine Küche, Jugendfeuerwehrbereich, Sportraum, Stabsraum, Büro) und Funkraum befinden sich im seitlichen Block. Der seitliche Gebäudetrakt wird durch einen vorderen und einen hinteren Eingang erschlossen. Im Innenbereich sind Rohre und Technik, soweit möglich, kostengünstig offen verbaut.
Langwieriges Thema Außenanlagen
Sehr aufwendig und langwierig war die Planung der Außenanlagen. Das Gelände steigt Richtung Hang an und das Gebäude hat seine Tiefe. In einem Bereich gibt es viel Geländeabtrag und im anderen Bereich wenig Geländeauftrag. Wenn man mit dem Gelände höher kommen würde, müsste eine noch höhere Mauer erstellt werden. Das würde wiederum noch mehr Probleme beim Schallschutz verursachen. Man habe wochenlang um jede 10 Zentimeter höher oder niedriger diskutiert. 20 Zentimeter höher bedeute weniger Erdaushub, weniger Abtrag und weniger Entsorgung. Allerdings ergeben sich dadurch mehr Probleme mit der Einfahrt, Rampe, Mauer und Schallschutz. Es gibt kaum Grünfläche, sondern vor allem steile Hangflächen. Eine momentan als Volleyballfeld ausgewiesene Fläche ist gleichzeitig Fläche für eine mögliche Erweiterung der Feuerwehr. Das Grundstück insgesamt hat Reserven für eine mögliche Erweiterung.

Kostenentwicklung
Die Kostenentwicklung beleuchtete Kira Schmitt von dem beauftragten Beratungsunternehmen Drees & Sommer. Die ursprüngliche Machbarkeitsstudie bezifferte die Projektkosten noch mit rund 7.942.900 Euro mit Abbruch (grob geschätzt). Diese Kostenschätzung beruhte auf einer allgemeinen, standortunabhängigen Betrachtung. Standortspezifische Faktoren wie Erschließung, Bodenverhältnisse, Topografie (Hanglage), notwendige Außenanlagen, Parkplatzbedarf und Abbruch Bestandsgebäude waren zu diesem Zeitpunkt nicht berücksichtigt. Jetzt konnten sie planerisch zum ersten Mal einbezogen werden. Die vorläufige Kostenschätzung von Januar 2026 beträgt 9.366.474 Euro mit Abbruch. Dadurch sind die Kosten um 1.423.574 Euro gestiegen.
Kostenrelevante Änderungen:
Die Grundstücksfläche vergrößerte sich von ca. 2.950 m² auf ungefähr 6.000 m² (durch die Lage), ebenso die Außenanlagenfläche von ca. 1.997 m² auf ungefähr 4.575 m². Die große Fläche ist notwendig, um den Betrieb aufrechtzuerhalten und eine Reserve für eine mögliche Erweiterung zu haben. Die Stellplatzzahl erhöht sich von 30 auf 57. Baurechtlich sollen die Stellplätze überdacht (in der vorläufigen Kostenschätzung nicht geplant) und mit einer PV-Anlage (in der vorläufigen Kostenschätzung nicht geplant) bedeckt werden. Durch das Berücksichtigen der Abbruchkosten des Bestandsgebäudes und der Erschließungskosten erhöhten sich die Kosten ebenfalls. Die ursprünglich ermittelte Bruttogrundfläche ist nur um 27 m² angestiegen. Die Nutzfläche und technische Funktionsfläche sind um 48 m² geringer ausgefallen als 2024 noch prognostiziert.
Kostenunschärfen und Einsparpotenziale mit insgesamt 734.215 Euro
Die aktuelle Kostenschätzung umfasst noch Unsicherheiten, besonders wegen der Erdarbeiten, sowie mögliche Einsparpotenziale:
Überdachung und PV-Anlage Stellplätze
Auf die baurechtliche Verpflichtung zur Überdachung mit PV-Anlage verzichtet das Landratsamt. Daraus ergibt sich ein mögliches Einsparpotenzial von ca. 648.515 €.
Erdaushub und Entsorgung
Die Kosten sind abhängig von Bodenuntersuchungen und Entsorgungswegen. Rechnerisch ist ein Einsparpotenzial bis zu 50.000 Euro möglich.
Technische Gebäudeausstattung
Weitere Verbesserungen mit einem möglichen Einsparpotenzial von ungefähr 35.700 Euro werden geprüft. Die Einsparpotenziale betragen dadurch 734.215 €.
Wenn man die Einsparpotenziale alle umsetzt beträgt die berichtigte Kostenfortschreibung insgesamt 8.632.259 Euro Gesamtkosten.

Diskussion
GR Joachim Karcher (Freie Wähler) meinte, dass das Thema (wo, wann, wie) sehr intensiv behandelt worden ist. Es stand nie zur Frage, ob der Neubau überhaupt notwendig ist. Klar war ferner, dass das Vorhaben sich nicht bei der ersten, vorsichtigen Kostenschätzung einpendeln wird. Man hoffe, dass das Projekt bei dem jetzt genannten Kostenstand in etwa bleiben wird. Überraschungen seien nie auszuschließen. Die Fraktion stehe einstimmig hinter dem Vorhaben.
GR Roland Rädle (CDU) freute sich, dass die Gemeinde sich in diesen Zeiten ein neues Feuerwehrhaus leisten könne. Dies sei nicht selbstverständlich und eigentlich auch kein Wunsch, sondern ein über die letzten zwei Jahrzehnte entstandener Bedarf. Ein für die Bevölkerung extrem wichtiges Gebäude kann somit erstellt werden. Die Fraktion stehe voll dahinter und die Planung überzeuge. Die Kombination von Feuerwehrkommandant und Hauptamtsleiter als Feuerwehrangehöriger, Planungsbüro und Verwaltung insgesamt sei besonders positiv und ein Glücksfall. Die Feuerwehr habe schon immer fachlich sehr gut und mit entsprechenden überzeugenden und nicht überzogenen Konzeptionen gearbeitet.
GR Uwe Rohrer (Bündnis 90/Grüne) zeigte sich ebenfalls erfreut. Die Kostensteigerung sei absehbar gewesen und halte sich in Grenzen. Ein kleiner Wermutstropfen sei der Verzicht auf die PV-Anlage über den Stellplätzen. Allerdings sei diese Einsparung wegen der Summen nachvollziehbar. Mit dem Feuerwehrgerätehausbau und den weiteren kommenden Maßnahmen ist klar geworden, dass der Haushalt massiv belastet wird. Daher sei eine Übersicht des Rechnungsamtes über Einnahmen, Ausgaben und zu erwartender Verschuldung vor den Sommerferien, spätestens danach, sinnvoll.
GR Reinhard Haas (SPD) signalisierte ebenfalls Zustimmung. Trotz der enormen finanziellen Belastung handle es sich um eine Pflichtaufgabe der Gemeinde. Solange man so hervorragende arbeitende Ehrenamtliche habe, wolle man das weiter honorieren. Die größte und zentralste Feuerwehrabteilung in Langensteinbach müsse so aufgestellt werden, dass sie auch andere Wehren schnell, effektiv und effizient unterstützen könne.
Stellplätze
Feuerwehrgesamtkommandant Holger Fuhr stellte klar, dass man zunächst 30 Stellplätze in die Machbarkeitsstudie aufgenommen hat. Auf welcher Basis dies erfolgte, könne er jedoch nicht sagen. Fakt sei, dass die Feuerwehr wegen feuerwehrrechtlicher Vorgaben insgesamt 46 Stellplätze benötige. Die restlichen Stellplätze dienen als Reserve für Krisenfälle (Krisenstab) bzw. Einsatzleitung und mögliche Erweiterung und sind deswegen Puffer.
Kostendetails – Finanzen - alternative Standorte
Hauptamtsleiter Benedikt Kleiner informierte, dass die Gemeinde durch den Verzicht auf eine Zwischenlösung für die Feuerwehr zwischen 750.000 und 1.000.000 Euro Kosten vermeidet. Diese wären entstanden, wenn das vorhandene Gebäude nicht bis zum Bezug des Neubaus in Betrieb bleiben kann. Für die Übergangszeit wären dann Kosten für eine anderweitige Unterbringung der Feuerwehrinfrastruktur und des Personals entstanden. Er erläuterte nochmals die mit enormen Kosten verbundenen Baumaßnahmen, die durch die Photovoltaikanlage über den Stellplätzen entstanden wären. Durch die über den Verbrauch vor Ort hinausgehende voraussichtliche Leistung müsste u.a. noch ein Trafo gebaut werden. Ein Bau auf zwei Etagen - Nachfrage GR Günter Denninger (CDU) - sei aus verschiedenen Gründen nicht günstiger als der geplante einstöckige Bau. Bei der ursprünglichen Standortauswahl hätte man beispielsweise bei einem Standort Weidenhof keinen Erdaushub gebraucht. Allerdings müsste man das „Loch“ auffüllen, um die Tragfähigkeit herzustellen. Im Bereich Römerstraße ergäbe sich mindestens genau die gleiche Hanglage ohne Fläche und ohne zusätzliche Außenerschließung. Auch die Schutzgüter Erholung, Nachbarschutz etc. müssten wegen des Außenbereiches noch berücksichtigt werden. Der jetzige Standort sei letztlich auch vom einsatztechnischen Aspekt her gutachterlich als am geeignetsten bestätigt worden. Ins Baurechtsverfahren gehe man mit 46 Stellplätzen.
Dürr sagte, dass auch eine alternative Fassade als Holz nicht unbedingt günstiger ist. Man könnte beispielsweise ein vorvergrautes, hochwertiges Holz wählen, welches später zu Folgekosten führe. Auch für andere Fassadenarten als Holz fallen nach Jahren Folgekosten an. Nicht ausschließen könne man, dass durch externe Faktoren die Preise im Baubereich teilweise steigen. Im Rohbaubereich seien die Preise momentan noch in Ordnung. Beim Feuerwehrgerätehaus ist Holz der Hauptwerkstoff. Hier hoffe man auf eine gewisse Preisstabilität. Momentan passten die Preise – bis auf die Rohölpreis abhängige Dachabdichtung – noch.
Rechnungsamtsleiterin Petra Goldschmidt stellte bezüglich der finanziellen Bedenken einzelner Gemeinderäte klar, dass die Maßnahme Feuerwehrhaus bereits im letzten Haushaltsplan enthalten war. Ebenso war die Maßnahme in der Finanzplanung berücksichtigt, natürlich nicht in den aktuellen Summen. Es sei jedoch keine Maßnahme, die neu hinzukommt. Die Finanzlage werde zunehmend schlechter, aber man könne nicht sämtliche Investitionen sparen. Diese Maßnahme sei eine absolute Pflichtleistung. Es spricht nichts gegen dieses Projekt, allerdings müsse in Zukunft über jede Freiwilligkeitsleistung hart diskutiert werden.
Bürgermeister Björn Kornmüller versicherte, den Gemeinderat ohnehin laufend über die finanzielle Situation der Gemeinde zu informieren, ebenso über die Entwicklung der weiteren Großprojekte. Das Projekt war auch bereits in der Finanzplanung enthalten. Der Bürgermeister betonte abschließend die wichtige Rettungsfunktion der Feuerwehr und die langfristige Sicherstellung dieser durch die geplante Investition.
Bebauungsplanverfahren zum Feuerwehrgerätehaus
In einem weiteren Tagesordnungspunkt stimmte das Gremium den Stellungnahmen zum Bebauungsplanverfahren zu. Die Räte billigten den Planentwurf zum Bebauungsplan. Die beauftragte Planerin Petra Schippalies informierte, dass das besagte Gebiet direkt an die bestehende Gemeinbedarfsfläche „Feuerwehr“ angrenzt. Einen Bebauungsplan gibt es bisher nicht. Nach den Rückmeldungen im Rahmen der frühzeitigen Beteiligung ist weder ein Zielabweichungsverfahren des Regionalplanes noch ein Einzeländerungsverfahren zum Flächennutzungsplan erforderlich. Der Bereich wird als aus der vorbereitenden Bauleitplanung entwickelt angesehen. Das Feuerwehrhaus ist als kritische Infrastruktur bedeutend. Verschiedene fachliche Anregungen werden – so Schippalies - berücksichtigt. Die Räte gaben grünes Licht dafür, die Offenlage durchzuführen und die Träger öffentlicher Belange zu beteiligen.
Voraussichtliche Terminschiene
September 2026 - Vergabe der Erdbauarbeiten
Oktober 2026 - Beginn Freimachen des Baufeldes und Erdarbeiten
Januar 2027 - Baustart Rohbau
August 2027 - Fertigstellung Gebäudehülle
Juni 2028 - Fertigstellung Neubau, anschließend Umzug der Feuerwehr
Oktober 2028 - Abbruch Bestand und Fertigstellung Außenanlagen
Weitere Infos
Ausführliche Informationen zu den Tagesordnungspunkten mit der Vorlage finden Sie im Ratsinformationssystem der Gemeinde Karlsbad (Bürgerinfoportal).
Streaming
Die Aufzeichnung der Gemeinderatssitzung vom 22.04.2026 ist bis 19.5.2026 auf Youtube zu sehen. Zum Kanal der Gemeinde Karlsbad gelangen Sie in Youtube unter "@gemeindekarlsbad" oder im Browser über den Link https://www.youtube.com/@GemeindeKarlsbad