Tageselternverein Ettlingen und südlicher Landkreis Karlsruhe

Gleich von Anfang an

08.08.2019

Das Bundesproramm Kita-Einstieg, Brücken bauen in frühe Bildung im südlichen Landkreis
„It`s a dog!“, ruft Christian begeistert und Mushtak ergänzt:“ Wau, wau!“.
Entspannt liegen die beiden auf dem Sofa in der Kinderstube und schauen Bücher an. Die Tagesmutter lächelt und erläutert: „Das ist ein brauner Hund und er kann bellen.“ Im Morgenkreis wird dann zu „Old Mc Donald hat `ne Farm“ erprobt, wie laut so ein Hundegebell sein kann.
Eine ganz alltägliche Szene in der Kindertagespflege mag man meinen, doch für viele Kinder in Deutschland ist diese Art des Beisammenseins nicht selbstverständlich.
GLEICH von Anfang an, bedeutet dass Kinder aus unterschiedlichen sozialen Hintergründen gleiche Bildungschancen ermöglicht werden müssen, denn oft sind die Bildungswege von Kindern eng an die Bildungsbiografie der Eltern gebunden. Die Projektumsetzung hat das Landratsamt Karlsruhe als Antragsteller an den Tageselternverein Bruchsal Landkreis Karlsruhe Nord e.V. und den Tageselternverein Ettlingen und südlicher Landkreis Karlsruhe e.V. übertragen.
Seit November 2017 arbeitet der Tageselternverein Ettlingen südlicher Landkreis e.V. mit dem Bundesprogramm Kita- Einstieg daran, nachhaltige Konzepte zu entwickeln um Bildungsgerechtigkeit für benachteiligte Familien zu ermöglichen. In Ettlingen ist „Kita- Einstieg“ dem Tageselternverein angegliedert. Da das Bundesprogramm von 2017 bis Ende 2020 finanziert wird, befinden wir uns in der Halbzeit und können auf das bisher erreichte zurückblicken und der weiteren Verwirklichung unserer Konzeptionen entgegensehen.
„An Ideen mangelt es uns nicht“, betont Elke Maushart „wir haben aber immer ein Auge darauf, langfristige Strukturen zu schaffen, die das voraussichtliche Ende des Bundesprogrammes im Dezember 2020 als Erfolgskonzepte überdauern.“
Nach Rücksprache mit den Kooperationspartnern im südlichen Landkreis Karlsruhe gibt es eine hohe Anzahl an Familien vor allem mit Fluchterfahrung, denen das frühkindliche Bildungssystem aus ihrem Herkunftsland nicht vertraut ist. Ebenso haben wir Familien, denen es aus ihrer Lebenssituation heraus nicht möglich ist die Integrationsangebote eigenständig zu nutzen. Daher wurde ein Brückenangebot für diese Familien geschaffen, so dass die Fremdbetreuung der Kinder den Familien schon frühzeitig bekannt werden.
Die Kinderstube ist so ein Brückenangebot, das vor allem Menschen mit Migrationshintergrund und Fluchterfahrung anspricht. Begleitend zu den Integrationskursen des Bildungsträgers AAW werden dem aktuellen Bedarf angepasst 14 Kinder betreut und deren Familien fachlich begleitet.
In der Kinderstube werden die Ein- bis Vierjährigen in kleinen Gruppen auf ihren weiteren Weg ins Bildungssystem vorbereitet. Schwerpunkte liegen hier auf der alltagsintegrierten Sprachförderung und dem Kennenlernen von Abläufen wie sie in der Kindertagespflege und Kitas gelebt werden.
Im Anschluss an den Integrationskurs treffen sich die Eltern mit einer pädagogische Fachkraft um Informationen zum weiteren Bildungsweg zu erhalten, Anmeldungen in der Kindertagespflege und Kitas vorzubereiten, persönlich Anliegen zu besprechen oder um gemeinsam mit den Kindern zu spielen. Aktuelle Informationen zwischen Tagesmutter und pädagogischer Fachkraft haben in der Kinderstube einen kurzen Weg. So steht fest: Eine kleine Leihbibliothek muss eingerichtet werden und Hundebücher müssen natürlich auch dabei sein!
Das „Spielmobil“ ist ein weiterer Baustein des Projektes Kita-Einstieg. Zweimal pro Woche werden Eltern und Kinder in Waldbronn / Neurod besucht. In der Fabrikstraße ist Henriette Hirsch schon ein bekanntes Gesicht. Ist der rote Bollerwagen geparkt, stürmen die Kinder zu dem Spielzeug und freuen sich darüber, dass eine Erwachsene Zeit hat am Spiel teilzunehmen und Ideen mit zu entwickeln. Während Frau Hirsch bunte Kreideblumen auf den grauen Asphalt malt, verabredet sie
Artikel Amtsblätter im südlichen Landkreis Karlsruhe
sich mit einer Mutter, den Kindergarten in der Nähe zu besuchen, um dort ihre Tochter anzumelden.
„Der Erstkontakt zu den Eltern verläuft meist über die Kinder und diese freuen sich über das
Spielmobil“, berichtet Henriette Hirsch. Die Hürden für Familien in besonderen Lebenslagen sind
vielfältig. Sprachschwierigkeiten, Unkenntnis des Bildungssystems, wirtschaftliche Probleme oder
auch alleinerziehend, sind oft Ursachen für einen späteren Kindergartenbesuch. Wie Erzieherinnen
berichten reicht die Zeit dann nicht mehr aus, um die deutsche Sprache fließend zu erlernen.
Dringenden Handlungsbedarf sieht auch Azra Bredl, die Vorstandsvorsitzende des Tageselternvereins
Ettlingen und südlicher Landkreis e.V. „Um diese Kinder und Eltern begleiten zu können brauchen die
Tagespflegepersonen entsprechende Qualifizierung“. Im Qualifikationskurs und in den Fortbildungen,
die regelmäßig besucht werden, ist daher kultursensible Pädagogik ein wichtiges Element.
Zu diesem Themenbereich veranstalten die Tageselternvereine des nördlichen und südlichen
Landkreises mit dem Antragsteller des Landratsamtes am 15. November 2019 einen Fachtag unter
dem Titel: „Alle mitnehmen, niemanden zurücklassen!“ Dieser Fachtag soll Tageseltern und
Erzieherinnen darin unterstützen die vielfältigen Herausforderungen des Alltags mit den Familien zu
meistern.
Im Frühjahr wurde außerdem ein neues Curriculum in Form eines „Schnupperkurses: Wie werde ich
Tagesmutter/-vater? für Frauen und Männer aus einem anderen Land als Deutschland“ entwickelt.
Ziel des sechswöchigen Kurses in einfacher Sprache war es, Migranten Eckpfeiler des deutschen
Bildungssystems näher zu bringen. Zudem bietet der Kurs die Gelegenheit, sich gegenseitig kennen
zu lernen und gemeinsam einzuschätzen, ob eine weitere Qualifizierung zur Tagespflegeperson in
Frage kommt.
„Wir glauben, dass gute ausgebildete und begleite Tagesmütter mit Migrationshintergrund auch
besondere Fähigkeiten für andere Migranten mitbringen. Das reicht vom Verständnis der
Lebensumstände bis zu praktischen Tipps bei Behördengängen und anderen Wegen“, so Myriam
Zander-Occhini.
Innovativ, nachhaltig und transparent sind wichtige Aspekte im Kita-Einstieg. Dazu gehört daher auch
die neu verlinkte Homepage, die ab September 2019 online sein wird. Mit www.kita-einstiegettlingen.
de werden Familien aus unterschiedlichen sozialen und kulturellen Hintergründen auch in
einfacher Sprache über die frühen Angebote der Kindertagespflege informiert.
Azra Bredl: „Wir leben in einer bunten Welt. Integration ist auch immer ein Vorhaben auf vielen
Ebenen. Auf der einen Seite erhalten Kinder, die den Bedarf haben, bildungsgerechte Chancen.
Andere Kinder bekommen die Möglichkeit Vielfalt kennen zu lernen, um so Kompetenzen für ihr
späteres Leben in einer globalen Welt zu erwerben.“
Aus diesem Grund ist das Projekt „Kita-Einstieg“ im wahrsten Sinne des Wortes eine Brücke
zueinander!

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