Heimatverein Karlsbad

NACHRUF

16.09.2019

Mit Klaus Rieger verliert der Heimatverein das dritte Gründungsmitglied innerhalb kürzester Zeit. Am 10. Oktober 1934 geboren, starb er wenige Wochen vor Vollendung seines 85. Lebensjahrs. Seit seinem 75. Geburtstag im Jahre 2009 war er Ehrenmitglied des Heimatvereins Karlsbad.

Klaus war von Anfang an bei der Bau- und Einsatztruppe des Heimatvereins engagiert, die sämtliche Außenanlagen des Heimatmuseums errichtete und in Schuss hielt. Sein Beruf als Zimmermann und die ihm eigene Ausstrahlung  führten dazu, dass er von allen „Capo“ genannt und als natürliche Autorität akzeptiert wurde. Er sagte, wo es lang ging und übernahm im Gegenzug auch die volle Verantwortung dafür. Wer sich heute im Museumshof umschaut, erkennt schnell, dass über all die Jahre hinweg von ihm und seinen Mitstreitern ganze Arbeit geleistet wurde.

Außerhalb des Museumsareals ist vor allem die Renovierung und Instandhaltung des Röhrl-Brunnens zu nennen, die von Klaus stets mit Rat und Tat begleitet wurde.

Sein letztes großes Projekt war die Restaurierung des Sandstein-Torbogens aus dem Jahr 1561, in das er sich von Anfang bis Ende einbrachte. Selbst das Natursteinwerk in Mühlbach/Kraichgau suchte er eigenhändig aus, einer der wenigen Betriebe, die heutzutage noch auf solche Dinge spezialisiert sind und den original Ittersbacher  Buntsandstein vorrätig hatten. 

Als vor einem guten Jahr die Zeichnungen und Gemälde von Herbert Kappler der Öffentlichkeit in einer Sonderausstellung zugänglich gemacht wurden, erinnerte sich Klaus sofort an den etwas eigenwilligen Maler, dem er als Kind mit einer Mischung aus Be- und Verwunderung begegnete. Sogleich erklärte er sich bereit, den Verantwortlichen den Standort zu zeigen, an dem Herbert Kapplers Landschaftsbilder entstanden waren. Schon schlecht zu Fuß und stützender Hilfe bedürfend, ließ er es sich nicht nehmen, den beschwerlichen Weg zu der heutzutage schlecht zugänglichen Stelle zu gehen. Und tatsächlich – auch wenn hohe Bäume und zwischenzeitlich errichtete Gebäude die ursprüngliche Sicht der Dinge teilweise verdeckten – offenbarte sich dem Betrachter genau die selbe Perspektive wie auf den Bildern.  

Solange es sein Gesundheitszustand zuließ, war Klaus regelmäßiger Besucher des Forscherstammtisches. Besonders ergreifend war es, v.a für die jüngere Generation, wenn er mit Tränen in den Augen vom Einmarsch der französischen Armee in Ittersbach am 8. April 1945 erzählte, den er als 10-Jähriger im schützenden Keller des elterlichen Hauses erlebte, wobei es ihm tragischerweise nicht gelang, seinen sieben Jahre älteren Bruder Fritz – der von seinen Schulkameraden beneidet wurde, weil er aufgrund eines Herzfehlers nicht in den Krieg ziehen musste – davon abzuhalten, den "Löwen" aufsuchen zu wollen. Trotz des Drängens seines jüngeren Bruders begab Fritz sich nach draußen und wurde kurz darauf nur wenige Meter von seinem Elternhaus entfernt durch Granatsplitter schwer verwundet. Er verstarb am Folgetag im Lazarett, seinem Bruder Klaus waren dagegen noch 74 erfüllte Jahre vergönnt.

Mit seiner Gisela, seinen Kindern und allen Angehörigen fühlen wir uns in Schmerz und Trauer über den schweren Verlust tief verbunden. (MGI)