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Gedenkfeier für getöteten Flüchtling in Langensteinbach

21.10.2019 – 04.11.2019

Etwa 70 Menschen versammelten sich am Abend des 20.10.2019 im Gemeindehaus der katholischen Kirche in Langensteinbach, um dem Opfer einer Messerstecherei  vom 14.10.2019 zu gedenken, an der zwei aus Afghanistan stammende Dreiergruppen beteiligt waren.

Der Runde Tisch Asyl Karlsbad und Martin Klein, Beauftragter für Flucht und Migration im ev. Kirchenbezirk Karlsruhe Land, hatten zu der Gedenkveranstaltung eingeladen. Ziel war es, als lokale Bevölkerung gemeinsam mit Geflüchteten und zugezogenen Menschen dem Schock wie auch der Trauer Raum und Zeit zu geben.

 

Beklommene Stille herrschte in dem Gemeindesaal, in der mehrere Sitzreihen im Halbkreis um einen kleinen, mit Blumen und einer Kerze geschmückten Tisch gruppiert waren. Neben aktiven Mitgliedern des Runden Tisch Asyl und der beiden Kirchengemeinden am Ort waren etliche weitere Karlsbader Bürger und Bürgerinnen erschienen, um ihrer Betroffenheit Ausdruck zugeben. Auch zahlreiche Asylbewerber folgten der Einladung. Den beiden beteiligten afghanischen Flüchtlingsgruppen ist es hoch anzurechnen, dass sowohl Freunde des Opfers gekommen waren als auch Familienmitglieder aus dem Kreis der Tatverdächtigen. Beiden afghanischen Gruppen konnte man ansehen, wie sehr sie das Geschehen vom vergangenen Montag mitgenommen hatte. Doch auch weitere Geflüchtete aus Syrien, dem Iran, dem Irak, Eritrea und Kamerun, die inzwischen in Karlsbad und Umgebung lebten, folgten dem Aufruf und nahmen Anteil.

 

Ein feierliches Trompetensolo von Steffen Dix eröffnete die Gedenkveranstaltung.  „Noch immer stehen wir unter dem Schock des Geschehens. Die Faktenlage ist auch noch nicht wirklich klar. Ich bin froh, dass so viele Menschen unserer Einladung zu einer Gedenkfeier für Hamid gefolgt sind“, mit diesen Worten begrüßte Sabine Meglio, Ehrenamtskoordinatorin des Runden Tisch Asyl Karlsbad, alle Anwesenden. Es folgte ein Gedicht eines afghanischen Asylbewerbers, modifiziert und vorgetragen von Susanne Gehrung, mit dem Titel „Sei neben mir und sieh, was mir geschehen ist.“ Angelika Steffen hatten den 31jährigen Hamid Omid als Berufsberaterin kennen und schätzen gelernt. Hamid sprach schon sehr gut Deutsch, hatte in Afghanistan im Gegensatz zu seinen eigenen Wünschen Jura studieren müssen und träumte nun von einem Studium der Elektrotechnik in Deutschland. „Es war ein Geschenk, Hamid eine Weile auf seinem Lebensweg begleiten zu dürfen“ schloss die Berufsberaterin ihre bewegenden Worte, die den Zuhörern, die Hamid mehrheitlich nicht persönlich gekannt hatten, ein genaueres Bild des Toten vor Augen stellte.

Während eines afghanischen Musikstücks konnten die Anwesenden das bisher Gesagte nachwirken lassen. In der nun folgenden Ansprache rief Martin Klein dazu auf, zusammenzuhalten und im Geist der gegenseitigen Unterstützung zu agieren. Menschen aus Afghanistan oder Asylbewerber in Folge des Geschehens pauschal zu verurteilen, wäre sehr gefährlich. Ebenso schädlich seien Gedanken der Rache. Vergebungsbereitschaft und Nächstenliebe wären entscheidend und würden den Menschen helfen, in Frieden miteinander zu leben. In einem anschließenden Kerzenritual war jeder eingeladen, im Gedenken an Hamid Omid ein kleines Teelicht an der großen Kerze anzuzünden. Viele schlossen sich dem Ritual an. Ein weiteres Trompetensolo von Steffen Dix beschloss die Veranstaltung, die Karlsbader und Geflüchtete noch einmal enger hatte zusammenrücken lassen. Dem Aufruf von Sabine Meglio, im Anschluss an die Gedenkfeier gemeinsam zur Unterführung in der Ettlinger Straße zu gehen, wo Hamid Omid gestorben war, und dort eine Blume abzulegen, folgte eine große Zahl von Geflüchteten und Einheimischen.

Susanne Gehrung, RT Asyl