Karlsbader Mitteilungsblatt

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Skiclub Karlsbad

Karlsbad 600: die Erstauflage des 4-blättrigen-Kleeblatt-Radmarathons über 614 km – in 28 Stunden!

13.07.2020

Karlsbad-Bregenz 500 km nonstop. So oder so ähnlich hätte nach normalem Verlauf in diesem Jahr unsere Überschrift für diesen Bericht gelautet. Aber auch das Jahreshighlight, die geplante Stafettenfahrt nach Bregenz über 500 km kam unter die Pandemieräder.

Nach der erfolgreiche Everesting Cycling Challenge vom 13.06.2020 (wir berichteten) galt es nun ein weiteres Mal Lust, Phantasie und Kreativität, für das SkiClub Radteam unter Beweis zu stellen und mit geringer Vorlaufzeit und unter den gegebenen Voraussetzungen einen Ersatz für die allseits beliebte Stafettenfahrt zu finden und damit etwas Neues auf die Beine zu stellen.

 

So entstand die Idee zu Karlsbad 600. Vier „Einzelblätter“ mit Strecken zwischen 120 und 180 km Länge sollten es sein, um schlussendlich das Ziel von 600 km Gesamtstrecke zu erreichen. Die Einzeletappen folgten der Kontur eines Blattes und wurden nacheinander gefahren. Dreh- und Angelpunkt oder besser Start und Ziel war die SCK-Garage beim Langensteinbacher Sportplatz. Als Gesamtzeitfenster waren max. 30 Stunden eingeplant. Es war jedem freigestellt, wie viele Runden er mitfahren wollte. Wichtig war dabei, dass im Team gefahren wurde und das Tempo dem langsamsten Fahrer angepasst wurde. 

 

Kleeblatt: Nordschwarzwald, Destination Besenfeld: 152km, 1.325 hm, 28,5 km/h

 

So standen am Freitag, den 03.07. um 16:00 Uhr acht SCK-Athleten im nagelneuen SCK-Radteam-Outfit an der SCK- Garage, um die 1. Etappe in den Schwarzwald in Angriff zu nehmen. Angefeuert wurden sie durch andere SkiClub'ler und Familienmitglieder. Auch Petrus war gut gestimmt und stellte seinerseits bestes Sommerwetter zur Verfügung, so dass die Regenklamotten in den Schränken bleiben konnten. Über die Schwanner Warte ging es ins Enztal, um dort talaufwärts über Bad Wildbad und Enzklösterle hoch nach Besenfeld zu radeln. Nach kurzem wasserfassen am Rebstockbrunnen führte die Tour über Klosterreichenbach das Murgtal abwärts, stets mit ordentlich Zug auf der Kette. Nach Gaggenau wurde Ettlingen avisiert, um weiter über Wolfartsweier wieder hoch nach Langensteinbach zu radeln. Genau im Zeitplan standen schon die Spaghetti aus dem Hause Becker bereit.

  

Kleeblatt: Rheinebene, Destination Strasbourg: 182km, 625 hm, 25,8 km/h

 

Ein wunderschöner Sonnenuntergang tröstete etwas über den Ausfall des dritten Durchfahrers hinweg, welcher aus gesundheitlichen Gründen abbrechen musste. Die zähen Ausdauerfahrer Bernhard Becker und Simon Rupp waren nun auf sich gestellt. Kurzerhand übernahm der erfahrene Elsass-u. Motivationsexperte Reinhold Kaul die Nachtbegleitung und Wasserversorgung der beiden Radsportler aus dem Auto heraus. Die relativ flache Etappe wurde nun gegen den Uhrzeigersinn gefahren. Zuerst Richtung Westen bis Neuburgweier, dann nach Süden, bis bei Wintersdorf der Rhein überquert wurde. Direkt ab Beinheim/F verlief sie wieder südwärts über Roeschwoog und unzählige kleine Elsass Dörfer wie Gambsheim an den Stadtrand von Strasbourg, ständig begleitet von einem fast vollen Mond, dessen Resthelligkeit der Landschaft eine friedliche Stimmung verlieh.

 

Auf dem Rückweg nach Norden bis Rheinau am Rhein entlang, dann etwas weiter östlich über Gamshurst und Sinzheim nach Malsch wurde es immer kühler. Das Thermometer zeigt nur noch 10°C an, als die Sonne bereits den Horizont erhellte. Geprägt von der schlaflosen Nacht und den Stunden im Sattel erklommen die beiden die Steigung vom Albtal hoch nach Langensteinbach. Um 6:45 Uhr wurden sie mit einem Garagenfrühstück à la Robin in der SCK- Garage in Langensteinbach empfangen: die Stärkung war auch dringend erforderlich.

 

 

 

Kleeblatt: Kraichgau, Destination Heilbronn: 154 km, 1670 hm, 25,5 km/h

 

Pünktlich um 8:00 Uhr wurde die 3. Etappe zu sechst in Angriff genommen. Das Frühstück und die Pause brachten etwas Energie zurück, um aus Sicht der nackten Zahlen nach Höhenmetern die Königsetappe zu absolvieren. Erneut gegen den Uhrzeigersinn wurde über Remchingen nach Mühlacker geradelt. Kurz vor Vaihingen/Enz erfolgte der Richtungswechsel nach Norden. Durch das schöne Hohenhaslach, vorbei an Brackenheim über Leingarten wurde kurz vor der BAB A6 bei Kirchhausen erneut die Richtung gewechselt, diesmal nach Südwesten.

„Wen interessiert die schönste Landschaft, wenn diese gefühlte 100 Wellen hat und man bereits über 400 km in den Beinen hat?“ dachten sich die Durchfahrer Bernhard und Simon während der Fahrt durch das Kraichgau.
Nach Massenbachhausen kämpfte sich das Radteam weiter über Richen und Elsenz nach Gochsheim. Endlich war auch Bretten durchquert, bevor die letzten giftigen Hügel vor dem Pfinztal nieder gekämpft wurden. Von Kleinsteinbach aus erreichte das Team zum dritten Mal die SCK-Garage. Fast 500 km waren nun gefahren, das Zeiteisen zeigte kurz vor 15 Uhr am Samstagnachmittag.

 

Kleeblatt: Pfalz, Destination Germersheim: 125 km, 560 hm, 27,5 km/h

 

Die beiden Bergetappen waren geschafft, das vierte und letzte Kleeblatt stand an. Dieses konnte im Rouleurmodus gefahren werden, da es wieder in die Rheinebene ging, dieses Mal jedoch gen Nordwesten. Zuerst das Pfinztal abwärts verlief die Etappe nach Weingarten und weiter vorbei am KIT Campus Nord nach Norden bis zur Motivationshochburg Huttenheim. Dort hatte der Sohn eines Athleten kurzerhand seine Party an den Straßenrand verlegt, um die 11- köpfige Gruppe mit einer lautstarken La-Ola-Welle zu empfangen. Nachdem auch die Flaschen aufgefüllt waren, wurde bei Germersheim die Landesgrenze überschritten und in der Pfalz bis Westheim weitergefahren. An diesem nordwestlichsten Punkt begann die finale Rückfahrt nach Langensteinbach. Den beiden Durchfahrern waren die Belastungen inzwischen deutlich anzusehen, aber sie hielten sich tapfer. Über Bellheim und Rheinzabern wurde Wörth am Rhein angesteuert, um sich an einer Tankstelle letztmalig zu stärken, bevor es über den Rhein an Ka-Weiherfeld vorbei über Ettlingen zurück nach Langensteinbach ging. 

 

Samstag, 04.07.2020, 20:15 Uhr: Es war geschafft: Das SCK-Radteam hat die unglaubliche Strecke von 614 km in einer Bruttozeit von 28 Std 15 Min. ohne Schlafpause zurückgelegt.

Die finale Garagenankunft wurde von der SCK-Walking-Gruppe ebenfalls mit einer La-Ola-Welle begeistert gefeiert.

 

Beim abschließenden Pizzaessen vor der SCK-Garage wurde bereits die Gelegenheit genutzt „Karlsbad 600“ Revue passieren zu lassen, aber sich natürlich auch feiern zu lassen.

 

Wieder einmal wurde das scheinbar Unmögliche möglich gemacht: Gratulation und Dank allen Teilnehmern, Unterstützern und Freunden, vor allem aber den beiden Durchfahrern Bernhard Becker und Simon Rupp. Respekt für diese enorme Leistung!

 

Text und Bilder: Das Rennrad-Team des SkiClub Karlsbad