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Moment mal | 16.03.2026

Der Prophet Jona und die Karlsbader Blitzer

Schon einmal bei einem der vielen Karlsbader Blitzern gedacht: Hoffentlich fährt dieser nervige Autofahrer, der mich schon seit Ortseingang mit seinem Strich-30-Gefahre aufregt, am Blitzer zu schnell und bekommt ein Foto aus Karlsruhe? Wer sein Herz kennt, der weiß von diesen Momenten, wo wir anderen nicht das Gute wünschen, sondern, dass sie geblitzt werden, der Postbote ihr Paket verschlammt, die Bahn vor ihrer Nase abfährt und in manchen Fällen noch weit Schlimmeres.

Als der Prophet Jona hört, dass er nach Ninive ziehen soll, um den Leuten von Gott zu erzählen, da passiert genau das Gleiche. Er wünscht den Leuten in Ninive, den Assyrern, von Herzen das Allerschlechteste. Und wahrscheinlich nicht ganz zu Unrecht.

Die Assyrer - die damalige Weltmacht - waren dafür bekannt, dass sie mit den besiegten Gegnern grausam umgingen. Eine ihrer Foltermethoden war, dass sie vor der besiegten Stadt Pfähle in den Boden rammten, die Pfähle oben anspitzten und dann zur Demütigung ihre Gegner oben auf die Pfähle setzten und alle zusehen mussten, was dann geschah.

Von Herzen wünscht Jona diesen Menschen das Schlimmste und deshalb macht er sich auf in die entgegengesetzte Richtung, um vor Gottes Auftrag zu fliehen, landet dann aber im Bauch des Fisches, wird nach drei Tagen ausgespuckt und macht sich widerwillig auf nach Ninive.

Dort angekommen predigt er die wohl schlechteste Predigt, die jemals gehalten wurde („Noch 40 Tage, dann wird Ninive untergehen.“) Und trotzdem, als die Assyrer das hören, da kehren sie um von ihren Wegen und der König lässt ausrufen: „jeder kehre um von seinem bösen Weg und den Gewalttaten seiner Hände.“ Und Gott erbarmt sich über die Stadt Ninive und die Assyrer.

Und Jona? Jona verzweifelt. Er ruft zu Gott: „Ach Herr, genau das habe ich mir schon gedacht, als ich noch zu Hause war. Deshalb wollte ich auch nach Tarschisch fliehen. Ich wusste ja: Du bist reich an Gnade und Barmherzigkeit, unendlich geduldig und voller Güte.“

Was für eine gute Botschaft: Gott schreckt nicht vor unseren Herzen zurück, die nicht immer Gutes wünschen und gebraucht uns trotzdem. Aber vor allem ist er ein Gott, reich an Gnade und Barmherzigkeit und voller Güte. Das galt damals für die Assyrer und das gilt heute für uns.

Conny Vehrs
Jugendreferent der Jungen Kirche Karlsbad Waldbronn