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Redaktionelle Berichte | 30.06.2026

Glitzerurne oder Eichenlaubrankendekor?

Theaterensemble Spielraum inszenierte Stück mit Fragen zum menschlichen Charakter

Das Theaterensemble Spielraum war mit dem Stück „Whiskey & Sugar“ am 19.6. zu Gast in der Gemeindebücherei. Bei der Urnenbestattung seiner Mutter, der bekannten Schauspielerin Margot Fürstenberg, trifft deren Sohn Constantin (Lars Behrens) auf Sonja (Petra Berentelg), die sich als beste Freundin und Vertraute seiner Mutter bezeichnet.

Der ruhige und bodenständige Constantin hat die schrille und extrovertierte Sonja noch nie zuvor gesehen und zweifelt an ihrer Rolle im Leben seiner Mutter.

So entwickelt sich zwischen den beiden ein Wettstreit darüber, wer Margot besser kannte und wem sie näher stand. War ihr Lieblingsgetränk Whiskey mit Zucker oder doch Bier? Ist sie gerne geschwommen oder überhaupt nicht? Hätte sie lieber die prächtige Glitzerurne, die Sonja heimlich bestellt hat, gehabt oder eine schlichte Öko-Eichelurne mit Eichenlaubrankendekor?

Durch diesen Austausch entstehen vor den Augen des Publikums zwei sehr unterschiedliche Bilder von Margot. Gleichzeitig kommen sich Sonja und Constantin durch das gemeinsame Erinnern näher. Wer Margot tatsächlich besser kannte und welche Rolle Sonja wirklich in ihrem Leben spielte, wird jedoch bis zum Schluss nicht vollständig geklärt.

Für eine überraschende Wendung sorgt am Ende die Erkenntnis, dass in den Plüschtieren, die Margot gesammelt hatte und die Constantin kurz nach ihrem Tod bis auf einen Teddybären zum Sperrmüll gebracht hatte, viele tausend Euro für Constantin versteckt waren.

Die unterschiedlichen Charaktere der beiden Figuren wurden von Petra Berentelg und Lars Behrens überzeugend dargestellt. Petra Berentelg spielte die etwas schrille und extrovertierte Sonja mit viel Temperament und Ausdruckskraft, während Lars Behrens den eher introvertierten, nachdenklichen und etwas überforderten Constantin sehr glaubwürdig verkörperte.

Die Gegensätzlichkeit der beiden kam dadurch besonders gut zur Geltung, und man verfolgte ihr Zusammenspiel mit großem Interesse. Auch die humorvollen Momente des tragikomischen Stücks wurden sehr gut herausgearbeitet und sorgten immer wieder für Lacher im Publikum. So bot „Whiskey & Sugar“ einen unterhaltsamen Abend, der nicht nur zum Schmunzeln, sondern auch zum Nachdenken über Erinnerungen, Beziehungen und die Frage anregte, wie gut man einen Menschen tatsächlich kennen kann.

Foto: Gemeinde Karlsbad
Foto: Gemeinde Karlsbad