Landkreisinformationen | 15.07.2026
In den kommenden Wochen bis voraussichtlich Ende September führt ForstBW im Staatswald des Forstreviers Pfinzgau Holzernte- und Waldpflegemaßnahmen durch. Betroffen ist insbesondere des stadtnahe Waldgebiet Rittnert bei Karlsruhe-Stupferich sowie der Hermannsgrund bei Remchingen-Nöttingen. Die Arbeiten dienen sowohl dem Erhalt wertvoller Waldbestände als auch der Sicherstellung der Verkehrssicherheit.
Förderung der Klimastabilität
In den Staatwaldgebieten konzentrieren sich die Maßnahmen auf die Erhöhung der Klimastabilität des Waldes. Um gezielt klimastabilen Bäume, wie zum Beispiel Eichen, ausreichend Licht und Raum zu verschaffen, werden im Wachstum konkurrierende Baumarten, wie Buchen oder Nadelbäume entnommen. Besonders empfindlich reagieren alte Eichen darauf, wenn jüngere schattentolerantere Bäume in ihre Krone einwachsen – solche Bäume werden gezielt entnommen. Zudem werden klimalabile Fichten geerntet, um den Wald aktiv umzubauen und anschließend trockenresistentere Baumarten zu pflanzen. Eine weitere Herausforderung ist das flächige Absterben der Eschen infolge einer Pilzerkrankung durch einen aus Südostasien eingeschleppten Erreger mit der harmlos klingenden Bezeichnung Falsches Weißes Stengelbecherchen. Wenn die Wurzeln durch den Pilz geschädigt sind, können die Bäume plötzlich umstürzen. „Aus Sicherheitsgründen lassen wir im Umfeld der Wege keine potenziell gefährlichen Eschen stehen“, betont Forstrevierleiterin Magdalena Beschel.
Förderung der Naturverjüngung für die nächste Waldgeneration
Im Fokus stehen hier die weit über hundert Jahre alten Eichen und Buchen. Die aufkommende junge Waldgeneration aus gekeimten Eicheln und Bucheckern, im Forstjargon als Naturverjüngung bezeichnet, benötigt Licht und Raum, um sich stabil entwickeln zu können. Daher werden einzelne ältere Bäume gezielt entnommen und als Stammholz für die Furnier- und Sägeindustrie oder als Brenn- oder Industrieholz, zum Beispiel für die Spanplattenindustrie, genutzt.
Sorgen bereitet jedoch der Zustand der Buchen, die unter den trockenen Sommern leiden. „Die Eichen kommen besser mit der Trockenheit zurecht. Trotzdem setzen wir auf stabile Mischwälder – vitale Buchen erhalten wir, seltene Baumarten, wie die Elsbeere, werden besonders geschützt“, erklärt Magdalena Beschel.
Schutz ökologisch wertvoller Strukturen
In weniger frequentierten Bereichen wurden Habitatbaumgruppen ausgewiesen. Sie sind Bestandteil des Alt- und Totholzkonzeptes und bestehen aus etwa 15 ökologisch besonders wertvollen Bäumen mit Höhlen, Horsten oder speziellen Totholzstrukturen. Sie sind markiert, per GPS erfasst und werden dauerhaft erhalten, um Lebensraum für Fledermäuse, Vögel, Insekten und Pilze zu sichern.
Wichtiger Sicherheitshinweis – Wege werden gesperrt
Die Holzernte erfolgt grundsätzlich nur auf den ausgewiesenen Rückegassen und Maschinenwegen, um den Waldboden bestmöglich zu schonen. Aufgrund der in den vergangenen Jahren häufig ausbleibenden Frostperioden muss die Holzernte besonders auf befahrungsempfindlichen Böden, wie zum Beispiel Lehmböden, bereits vor den einsetzenden Nässeperioden im Herbst und Winter durchgeführt werden. Wenn die Maßnahmen bereits frühzeitig bei trockener Witterung erfolgen, werden so Bodenschäden durch Befahrung bei ungünstigen Witterungsverhältnissen vermieden. Die Belange des Artenschutzes werden streng beachtet. Nach Abschluss der Arbeiten sollten daher nur in geringem Umfang Fahrspuren sichtbar sein. Wo dennoch Vertiefungen entstehen, können diese zeitweise Wasser speichern und damit als Kleingewässer beziehungsweise Ersatzhabitate für Amphibien dienen, darunter auch die streng geschützte Gelbbauchunke.
Während der Holzerntearbeiten müssen betroffene Waldwege aus Sicherheitsgründen zeitweise gesperrt werden. Die Sperrungen dienen ausschließlich dem Schutz der Waldbesuchenden. „Auch wenn keine Motorsäge zu hören ist, kann es lebensgefährlich sein, gesperrte Bereiche zu betreten“, warnt Forstrevierleiterin Magdalena Beschel, „es können jederzeit Bäume oder Äste fallen“. Erst wenn keine Gefahr mehr von den Arbeiten ausgeht und die Wege wieder sicher begehbar sind, werden bestehende Sperrungen aufgehoben. Beeinträchtigungen am Wegenetz werden bei geeigneter, trockener Witterung anschließend beseitigt und die Wege bei Bedarf instandgesetzt.
ForstBW bittet um Verständnis und darum, alle Absperrungen unbedingt zu beachten. Ziel ist es, die Einschränkungen so kurz wie möglich zu halten.
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Über ForstBW
Die Anstalt öffentlichen Rechts Forst Baden-Württemberg (ForstBW) arbeitet seit dem 01.01.2020 als eigenständiges Unternehmen. ForstBW trägt die Verantwortung für die Bewirtschaftung von über 320.000 ha Staatswald - das entspricht einem Viertel der Waldfläche Baden-Württembergs - und ist damit der größte Forstbetrieb des Landes. ForstBW setzt sich zum Ziel, ökologisch vorbildlich, sozial ausgewogen und ökonomisch erfolgreich zu arbeiten. Im Sinne des Waldes und der Menschen bildet das Prinzip der Nachhaltigkeit die Grundlage unserer Tätigkeit. Dazu tragen landesweit ca. 1.800 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter bei. Die naturnahe und nachhaltige Bewirtschaftung des Staatswaldes ist FSC® und PEFC™ zertifiziert.