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Wirtschafts News | 31.07.2026

Schulterschluss im Gesundheitswesen: Ärzte und Pflege vernetzen sich bei KarlsbadConnect

Die Herausforderungen in der medizinischen Versorgung und Pflege lassen sich heute nur noch gemeinsam bewältigen. Unter dieser Prämisse stand das zweite „KarlsbadConnect Ärzte-Treffen“, zu dem die Wirtschaftsförderung geladen hatte und das am 29. Juli im Bürgersaal des Neuen Rathauses in Langensteinbach stattfand. Nachdem das Format 2025 erfolgreich eingeführt wurde, erweiterte die Gemeinde den Teilnehmerkreis in diesem Jahr auf vielfachen Wunsch um die lokalen Pflegeeinrichtungen.

Bürgermeister Björn Kornmüller und Wirtschaftsförderer Tobias Brehm eröffneten die Veranstaltung. Gleich zu Beginn skizzierte der Rathauschef die enormen Herausforderungen, vor denen die Gemeinde Karlsbad in den kommenden Jahren steht, und gewährte erste Einblicke in den anstehenden Doppelhaushalt. „Auch wir werden sparen müssen“, machte Kornmüller deutlich. „Städte und Gemeinden im ganzen Land sind unterfinanziert, sodass die Erfüllung unserer kommunalen Pflichtaufgaben von Jahr zu Jahr schwieriger wird.“

Doch es gab auch deutlich positive Nachrichten: So habe sich die ärztliche Versorgungssituation vor Ort durch das neue H5-Zentrum in Langensteinbach sowie die neue Hausarztpraxis im Ärztehaus in Ittersbach maßgeblich verbessert. „Wir haben als Gemeindeverwaltung alle Hebel in Bewegung gesetzt, um die gesundheitliche Versorgung unserer Bürgerinnen und Bürger auf einem sehr hohen Niveau zu sichern. Das zählt zwar klassischerweise nicht zu den Kernaufgaben einer Kommune, war in diesem Fall jedoch zwingend notwendig“, betonte der Bürgermeister.

Dementsprechend erfreulich war an diesem Abend die breite Resonanz aus der Karlsbader Ärzteschaft – darunter niedergelassene Allgemeinmediziner, Fachärzte und Mediziner des SRH Klinikums. Dass in diesem Jahr erstmals auch die Pflege mit am Tisch saß, unterstrich den übergreifenden Netzwerkgedanken des Formats. So brachten sich Marc Kraemer, Geschäftsführer der Kirchlichen Sozialstation Karlsbad, und Thomas Huber, Pflegedienstleiter des Seniorenzentrums Ittersbach (Diakonie), aktiv in den Dialog ein.

Direkter Draht und Telemedizin statt Faxgerät

Ein zentrales Thema des Abends war die Digitalisierung sowie die Verbesserung der Schnittstellen zwischen Krankenhäusern, niedergelassenen Ärzten und Pflegeeinrichtungen. Um den oft zähen Informationsfluss zu beschleunigen, brachten die Teilnehmer die Einführung eines datenschutzkonformen, digitalen Messenger-Dienstes ins Spiel.

Wie dringend digitale Innovationen benötigt werden, zeigt ein Modellprojekt des Gesundheits- und Sozialministeriums Baden-Württemberg, an dem die Kirchliche Sozialstation Karlsbad aktuell teilnimmt. Dabei geht es um den Einsatz von Telemedizin für Akut- und Notfälle in der Pflege. Hierfür wurde auf dem Treffen ganz konkret ein ärztlicher Gegenpart aus Karlsbad gesucht, der bereit ist, dieses wegweisende Projekt zu unterstützen.

Dem gegenüber steht jedoch noch immer ein teilweise frustrierender analoger Alltag: Die Kassenärztliche Vereinigung bestehe in vielen Bereichen weiterhin auf Faxgeräte, während andere Branchen längst digitalisiert seien. Auch der postalische Versand von handschriftlich unterzeichneten Verordnungen führt in der Praxis zunehmend zu Problemen, da die unregelmäßige Briefzustellung Verzögerungen und letztlich Schwierigkeiten bei der Abrechnung mit den Krankenkassen verursacht.

Fachkräftemangel und strukturelle Defizite

Besonders intensiv wurde über die eklatanten personellen und infrastrukturellen Engpässe diskutiert. Der Fachkräftemangel in der Pflege ist längst ein globales Thema geworden. Da der heimische Arbeitsmarkt den Bedarf nicht mehr decken kann, ist ein Umdenken gefragt. Wie Thomas Huber treffend zusammenfasste: „Wir müssen Pflegekräfte zunehmend aus dem Ausland, vor allem aus dem asiatischen Raum, anwerben.“ Dies verdeutlicht , dass sich mittlerweile auch die lokalen Senioren- und Pflegeheime bzw. deren Träger auf dem Personalmarkt global aufstellen und agieren müssen, um die Versorgung vor Ort sicherzustellen.

Doch nicht nur beim Personal knirscht es im System: Sowohl Fachärzte als auch Pflegeeinrichtungen bemängelten die unzureichenden Kapazitäten bei Krankentransporten. Es kommt immer häufiger vor, dass ausbehandelte Patientinnen und Patienten teils mehrere Stunden warten müssen, bis sie abgeholt werden. Diese strukturellen Defizite führten in der Runde zu einer klaren Erkenntnis: Dinge, die früher in unserem Land reibungslos funktionierten, tun dies heute nicht mehr. Angesichts der finanziellen Unterversorgung der Kommunen, die zunehmend um die Erfüllung ihrer Pflichtaufgaben bangen, wurde der dringende Appell laut, dass auf Ebene der Bundesregierung zwingend und nachhaltig gehandelt werden müsse.

Neues Gesundheitsportal für Karlsbad

Um die Sichtbarkeit und Vernetzung vor Ort zu stärken, stellte Wirtschaftsförderer Tobias Brehm ein neues Projekt vor: In den kommenden Monaten wird auf der Website der Gemeinde ein umfassendes, digitales Ärzte- und Gesundheitsverzeichnis aufgebaut. Hier sollen neben den Arztpraxen künftig auch Pflegeeinrichtungen und perspektivisch therapeutische Praxen übersichtlich für die Bürgerinnen und Bürger gebündelt werden.

Darüber hinaus informierte er über weitere aktuelle kommunale Entwicklungen – unter anderem über die anstehende Straßensanierung im Ittersbacher Industriegebiet „Stockmädle“. Eine wichtige Nachricht für alle Patienten und Angehörigen: Das dort ansässige Ärztehaus sowie die Tagespflegeeinrichtung bleiben während der gesamten Baumaßnahme jederzeit uneingeschränkt erreichbar.

Erfolgreiches Netzwerk wird fortgesetzt

Das Fazit des Abends fiel durchweg positiv aus. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer signalisierten bereits, auch bei der nächsten Auflage wieder dabei sein zu wollen.

Bürgermeister Björn Kornmüller zeigte sich sehr angetan vom konstruktiven Austausch: „Dieses Treffen hat schonungslos offengelegt, vor welch gewaltigen strukturellen Aufgaben unser Gesundheits- und Pflegesystem steht. Genau deshalb war es so wichtig, die Pflege in diesen Kreis zu integrieren. Wir als Gemeinde können die großen gesundheitspolitischen Rahmenbedingungen nicht ändern, aber wir können die Menschen vor Ort an einen Tisch bringen. Dass hier heute Abend so intensiv nach gemeinsamen, pragmatischen Lösungen gesucht wurde – etwa beim Thema Telemedizin –, zeigt, wie wertvoll ein funktionierendes lokales Netzwerk ist. Das KarlsbadConenct Ärztetreffen hat sich etabliert und ist für unseren Standort unverzichtbar geworden.“