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Redaktionelle Berichte | 01.09.2026

Forstliche Themen und Klimawandel

Waldbegang des Gemeinderates am 15. Juli

Vielfältige Einblicke in die Arbeit der Forstverwaltung bekam der Gemeinderat bei der Gemeinderatssitzung „im Grünen“ Mitte Juli. Auch der Zustand des Waldes war ein Thema in Karlsbad Auerbach. Die Gruppe begann den ca. 1,5 Kilometer langen Rundgang am Grillplatz.

Bürgermeister Björn Kornmüller begrüßte die Mitglieder des Gemeinderates, den Leiter des Forstamts Karlsruhe, Martin Moosmayer, Forstrevierleiter Alexander Mohr, die Forstarbeiter sowie viele interessierte Bürgerinnen und Bürger zur Waldbegehung mit Start am Grillplatz in Auerbach.

Kornmüller betonte, wie wichtig der Gemeindewald ist, da er neben der Nutz- und Schutzfunktion auch über eine Erholungsfunktion für die Einwohner verfüge. Er bedankte sich bei den Forstverantwortlichen für die Organisation der Waldbegehung.

Moosmayer verdeutlichte, dass der Klimawandel den Wald inzwischen stärker prägt als jedes andere Thema. Nach zwei vergleichsweise ruhigen Sommern sei der Klimawandel wieder zurück. Erkennbar sei dies an Trockenschäden an vielen Orten.

John-Deere-Forsttraktor vorgestellt

Alexander Mohr stellte den neu angeschafften Forsttraktor der Gemeinde vor. Dieser ersetzt den 30 Jahre alten Schlepper. Dabei handelt es sich um einen John Deere 6M-Allradtraktor mit 105 PS und Forstreifen. Zusammen mit einer zusätzlich beschafften Seilwinde und einem Mulcher investierte die Gemeinde insgesamt 160.000 Euro.

Am Traktor ist ein abnehmbarer Frontlader montiert. Er besitzt eine Hebekraft von bis zu zwei Tonnen. Mit ihm können Wege abgeschoben oder Erde und Schotter geladen werden. Der Traktor ist durch eine Vielzahl von schweren Metallplatten sehr robust gebaut. Dies dient dem Schutz des Bedienpersonals und sichert auch die Technik des Arbeitsgerätes. So befindet sich auf dem Traktor ein Korb. Dieser sorgt dafür, dass bei Überschlägen keine Schäden entstehen und der Bediener geschützt ist. Außerdem ist er deutlich komfortabler und sicherer als das Altgerät. Der Traktor stoppt oder bremst beispielsweise, sobald der Fahrer den Sitz verlässt. „Die Gemeinde spart durch die Anschaffung der Maschine jeweils einzelne Kosten für externe Forstdienstleister. Viele Arbeiten können nun mit eigenem Personal erledigt werden.“, so Mohr.

Gefahrbaumfällung mit Forsttraktor, Baumkletterer und Forstwirten demonstriert

Forstwirt Christian Bloeth demonstrierte an der nächsten Station eine Gefahrbaumfällung am Beispiel einer Kiefer. Da sie benachbarten Eichen Licht und Platz wegnahm, musste sie weichen. Eichen gelten als widerstandsfähiger gegenüber Trockenheit und Hitze. Sie spielen bei der Entwicklung klimastabiler Wälder eine immer größere Rolle. Zunächst prüfte Bloeth Baumart, Neigung und mögliche Falllücke. Die ausgewählte Kiefer sollte entgegen ihrer natürlichen Neigung in eine Lücke fallen.

Sascha Röck, gemeindlicher Landschaftsgärtner und Baumkletterer, befestigte in etwa 10 Meter Baumhöhe ein Zugseil in der Krone. Durch Einsatz der Seilwinde fiel der Baum in die gewünschte Richtung. Nach der Fällung demonstrierten die Waldarbeiter außerdem die fachgerechte Aufarbeitung des Stammes. Man kann ihn entastet und auf genau festgelegte Längen zugeschnitten als Bauholz verwenden. Jeder Abschnitt wird direkt im Wald vermessen und gekennzeichnet.

Aus Sicherheitsgründen wurde eine gesunde, gerade gewachsene Kiefer mit einem geringen Durchmesser gewählt. Das vorgestellte Verfahren wird jedoch ebenso bei sehr gefährlichen Bäumen mit viel Totholz angewendet.

Alexander Mohr thematisierte die Gefahren und Schwierigkeiten während der Holzerntearbeiten. Sein eindringlicher Appell an alle Waldbesucherinnen und Waldbesucher: „Halten Sie sich an Absperrungen!“. Alle Fotos: Gemeinde Karlsbad
Alexander Mohr thematisierte die Gefahren und Schwierigkeiten während der Holzerntearbeiten. Sein eindringlicher Appell an alle Waldbesucherinnen und Waldbesucher: „Halten Sie sich an Absperrungen!“. Alle Fotos: Gemeinde Karlsbad

Erlössituation

Der gefällte Stamm ist 17 m lang und hat einen Durchmesser von 36 cm. Er wurde der Güteklasse C (Sägeholz mit mittlerer Qualität) zugeordnet. Holz der Güteklasse C weist im Gegensatz zu Klasse A oder B vermehrt Fehler auf. Es hat beispielsweise mehr Äste und eine ungleichmäßigere Oberfläche. Für gewerbliche Zwecke (Sägewerk/Industrieholz) ist es jedoch noch gut nutzbar. Bei einem Verkauf der Holzernte dieser Klasse könne man, so Mohr, ca. 70 € pro Festmeter berechnen. Der vorgestellte Stamm käme auf einen Verkaufspreis von ca. 100 €. Abzüglich der ca. 20-minütigen Arbeitszeit der Forstarbeiter, des Baumkletterers und der eingesetzten Maschinen, bleibe ein Erlös von ca. 15 bis 20 €.

Informationen zur anstehenden Erneuerung der Forsteinrichtung und der notwendigen Zielvereinbarung am Beispiel eines mittelalten 100-jährigen Bestandes

An der nächsten Station erklärte Forstamtsleiter Moosmayer, was eine Forsteinrichtung ist und wie sie aufgebaut ist. Diese wird von der Forstverwaltung zusammen mit dem Gemeinderat auf einen 10-jährigen Zeitraum festgelegt. 2028 muss sie erneuert werden.

Im Zuge der Forsteinrichtung führt das Forstpersonal eine Inventur des Karlsbader Waldes durch. Alle Waldbestände werden durch das Forstpersonal genauestens verzeichnet und beschrieben. Hier wird berücksichtigt, welche Baumarten in dem Gebiet wachsen, welches Alter die Bäume haben und wie viel Holz zuwächst. Außerdem wird erfasst, was geerntet werden und wohin sich der Bestand entwickeln soll. Auch ökologische Kriterien gehören dazu.

Die Gemeinde als Waldbesitzer muss die Weichen für die Bewirtschaftung des Waldes für die nächsten 10 Jahre stellen. Dafür wird ein Zielsetzungskatalog zwischen Landkreis und Gemeinde geschlossen. Dieser ist als Gesprächsleitfaden zu sehen. Er umfasst das Aufdecken von Zielkonflikten, die Diskussion von Handlungsalternativen sowie die Zieldokumentation. Der Wald erfüllt viele Funktionen. Diese können je nach Vorgabe der Gemeinde auch unterschiedlich gewichtet werden. Zu diesen Faktoren zählen Ökonomie, Ökologie, Schutz, Erholung sowie Klimaschutz. Bisher wurde immer auf ein ausgewogenes Verhältnis geachtet. Letztlich entscheidet der Gemeinderat über die Forsteinrichtung.

Auch die „Natura2000-Gebiete“ in und um Karlsbad haben durch den Klimawandel mit Trockenheit zu kämpfen. Der Landkreis ist gesetzlich verpflichtet, diese Gebiete zu erhalten. Außerdem kommen auf die Waldbesitzer ebenfalls Verpflichtungen zur Entwicklung zu. Wasser wird heute so weit als möglich im Wald zurückgehalten. Früher wurde versucht, es über Gräben schnell abzuleiten.

Wie den Wald an den Klimawandel anpassen?

In Bezug auf den Klimawandel sei es Ziel, gemischte Bestände zu entwickeln. Dabei werden Flächen stellenweise mit klimaangepassteren Baumarten wie Esskastanie, Kirsche, Elsbeere und Eichenarten aufgeforstet. An vielen Stellen wird jedoch versucht, mit der heimischen Naturverjüngung, also der natürlichen Aussaat durch die Bäume, zu arbeiten. Wegen der Klimaveränderungen ist es aber immer wichtiger, dass die Forstarbeiter früh mit der Pflege der Bestände beginnen.

Natur- und Gewässerschutz im Wald

Mohr erklärte an der letzten Station am trockenen Auerbach, wie ein optimaler Bachlauf aussieht. Er bezeichnet die vorgestellte Flussbettzone am Auerbach als „Premiumgewässer“. Hier gibt es keine Probleme mit Nadelholz und Neophyten (bspw. Asiatisches Springkraut). Die Gewässerökologie ist ausgezeichnet. Dafür sprächen der natürliche Bachverlauf, die Beschaffenheit der Sohle und typische Baumarten wie Ahorn, Erle und Linde. Besonders für Tiere ist es wichtig, dass das Gewässer nicht gänzlich sauber ist. Und dass sich auch an einigen Stellen etwas Totholz befindet. An anderen Orten im Revier soll die Gewässerökologie noch durch Naturschutzmaßnahmen wie Reduktion von Nadelholz und Bekämpfung von Neophyten verbessert werden.

Dem Forst wird voraussichtlich ein Förderbetrag von Land und Bund bewilligt. Hiermit sollen zwei Maßnahmen am Tornadostein und am Jakobsbrunnen in Ittersbach durchgeführt werden. Nadelholz umrahmt die beiden Bachläufe. Dies versauert das Gewässer stark. Die Nadelhölzer sollen daher entfernt und die Flächen mit Erlen und Weiden bepflanzt werden.