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Moment mal | 24.08.2026

Eine Hand voll Ruhe

Liebe Leserin, lieber Leser!

Über dem vor uns liegenden Monat September steht ein Bibelwort aus dem Alten Testament: „Besser eine Hand voll mit Ruhe als beide Fäuste voll mit Mühe und Haschen nach Wind“ (Prediger 4,6). Kann ich mir das überhaupt erlauben, eine Hand voll Ruhe? Wer erledigt dann meine Arbeit? Wer sorgt dafür, dass das wichtige Projekt in unserer Kirchengemeinde weiterläuft? Wer schaut bei der Nachbarin vorbei, die im letzten Monat ihren Mann verloren hat? Wer organisiert den Nachmittag für unsere Senioren? Nein, mein lieber Herr „Prediger“: besser beide Hände voll mit Arbeit und ehrgeizigem Streben, als sich mit bescheidener Ruhe zufriedenzugeben! Wo kämen wir denn da hin? Ja, wo kämen wir denn da hin, wenn eine Hand voll genug wäre? Wo kämen wir denn hin, wenn 80 % im Ergebnis genügen würden? Wo kämen wir hin, wenn ein offenes Ohr wichtiger wäre als meine To-do-Liste? Wo kämen wir hin, wenn wir unsere Fäuste voller Arbeit öffneten? Wie meinte einst der Schweizer Theologe und Schriftsteller Kurt Marti: „Wo kämen wir hin, wenn alle sagten, wo kämen wir hin, und niemand ginge, um zu schauen, wohin man käme, wenn man ginge.“ Gehen wir doch einfach einmal los und schauen, wohin wir kommen! Und fragen dann erneut: Kann ich mir das überhaupt erlauben, keine Hand voll Ruhe?

Herzliche Grüße
Holger Jeske-Heß, Pfarrer der Evang. Kirchengemeinde Spielberg