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Landkreisinformationen | 01.09.2026

‚FamilienKULTUR‘ in der AGJ Suchtberatung Ettlingen

Durchschnittlich jedes 6. Kind in einer Schulklasse oder Kindergartengruppe lebt mit Eltern zusammen, die an einer Abhängigkeit leiden. Diese Kinder stellen die größte bekannte Sucht-Risikogruppe dar (vgl. Nacoa e.V.). Es hat sich gezeigt, dass Kinder, die in einer suchtbelasteten Familie aufwachsen, ein bis zu 2-3x höheres Risiko tragen, selbst suchtkrank zu werden oder anderweitig psychisch zu erkranken.
Die Erfahrung aus der Praxis zeigt leider, dass betroffene Kinder nur schwer direkt erreicht werden können und die Dunkelziffer der "verborgenen" Kinder nach wie vor sehr hoch ist.
Lehrer*innen u. Erzieher*innen haben täglich, jedoch häufig unwissentlich, mit Kindern aus suchtbelasteten Familien zu tun. Gleichzeitig sind diese Pädagog*innen für Kinder wichtige Vertrauenspersonen. In den vielen Stunden, in denen sich besagte Fachpersonen um diese Kinder kümmern, können sie einen nachhaltigen positiven Einfluss auf deren Leben nehmen. Bei vielen Pädagog*innen besteht jedoch häufig eine große Unsicherheit, wie man mit familiären Suchtproblemen umgehen und/oder Auffälligkeiten ansprechen kann.
Aus diesem Hintergrund heraus entwickelten wir die Idee ‚FamilienKULTUR‘. Unser Ziel ist es Grundschullehrer*innen und Erzieher*innen analog oder digital zu diesem Thema zu schulen und anschließend in Form von Fallbesprechungen in der praktischen Umsetzung mit Kindern und Eltern zu unterstützen. Die Zielgruppe der Pädagog*innen profitiert durch die spezifische Qualifizierung, unterstützt sie bei der Zusammenarbeit mit den betroffenen Eltern und bei der Vermittlung in geeignete Hilfesysteme oder Angebote für Eltern und Kinder. Parallel dazu sollen nachhaltige Strukturen zum Hilfesystem und eine Erweiterung der eigenen Handlungskompetenz entstehen.
Darüber hinaus sind für die Kindertageseinrichtungen und Grundschulen auch digitale Elternabende zum besagten Thema angedacht, um auch die (betroffenen) Eltern für die Bedarfe der betroffenen Kinder zu sensibilisieren und über Unterstützungsangebote zu informieren.
Um möglichst auch die Eltern zu erreichen, die auch über Elternabende häufig nicht erreicht werden, möchten wir als noch niederschwelligeren Zugang, zusätzlich einen überregionalen monatlichen Familienpodcast veröffentlichen. Dieser soll mit Unterstützung von wechselnden Gästen (bspw. Erziehungsberatungsstelle; Ärzt*innen; Gesundheitsberater*innen) Familienthemen behandeln und Informationen vermitteln.
‚FamilienKULTUR‘ wurde bei einem Ideenwettbewerb durch das Sozialministerium Baden-Württemberg mit 40.000 Euro prämiert, worüber die inhaltliche Ausarbeitung und die praktische Umsetzung in den kommenden zwei Jahren refinanziert ist. Aufgrund unserer regionalen Zuständigkeit wird sich ‚FamilienKULTUR‘ zunächst auf den südlichen Landkreis von Karlsruhe beschränken. Die Idee ist jedoch auf Nachhaltigkeit ausgelegt und soll bei gesicherter Finanzierung auch nach den zwei Jahren, eventuell auch überregional, als Angebot verstetigt werden.