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Moment mal | 22.10.2026

Fixpunkt oder Kipp-Punkt?

Lange glaubte man, die Erde sei eine flache Scheibe. Seefahrer hatten große Angst, versehentlich zu weit auf das Meer hinaus zu geraten; zu groß war die Gefahr, mitsamt dem Schiff über den Rand der Scheibe in ein endloses Nichts zu fallen. Die „Mitte“ der Scheibe diente daher als sicherer Orientierungspunkt. Als fiktive Mitte galt je nach Bekenntnis mal Jerusalem, mal Rom oder auch Konstantinopel. Heute lächeln wir darüber. Dennoch: Unser Leben braucht eine Mitte, einen Fixpunkt. Ohne diese Mitte wächst die Sorge, ob nicht irgendwo eine Grenze erreicht ist, an der wir uns zu weit hinausgewagt haben. Ob es um unsere Gesundheit geht, um eine angespannte Beziehung, um das Klima oder um Politik: wir ahnen, dass es einen solchen „Kipp-Punkt“, einen “Point of no return“ gibt. Leider gibt es kein Stoppschild und keinen eindeutigen Warnhinweis. Wer weiß, ob der „point of no return“ nicht schon erreicht oder gar überschritten ist! Für Christen ist diese Mitte der Glaube an Gott. Seine Gebote, seine Ordnungen, sein Wort geben Orientierung und Halt; sie definieren ein stabiles Zentrum und zeigen zugleich, wo Grenzen sind, die wir besser nicht überschreiten. Es mag paradox erscheinen: Je klarer das Zentrum ist, desto größer sind unsere „Spielräume“; je stabiler der Fixpunkt, desto weiter der Radius, in dem wir uns frei und unbeschwert bewegen können. In der Psychologie nennt man das eine „Sichere Bindung“. Wer „sicher gebunden“ ist, kann sich enorm frei bewegen.

Mit herzlichen Grüßen

Pastor Norbert Rose, Langensteinbacher Höhe