Wirtschafts News | 27.10.2026
Langensteinbach punktet mit guter Erreichbarkeit und dem Wochenmarkt, in Ittersbach steht der Wunsch nach besserer Nahversorgung im Vordergrund. Die Ergebnisse des Projektes machen deutlich, was die Menschen schätzen – und was ihnen fehlt.
Eine Ortsmitte soll Einkaufsmöglichkeiten bieten, Erledigungen erleichtern und ein Ort sein, an dem Menschen gern zusammenkommen. Wie gut gelingt das in Langensteinbach und Ittersbach? Damit beschäftigte sich über knapp eineinhalb Jahre das Projekt „Innenstadtberater“, das die IHK Karlsruhe, die Wirtschaftsförderung Karlsbad und „Die Karlsbader Selbstständigen e. V.“ gemeinsam durchführten. Am 7. Oktober stellte IHK-Innenstadtberater Michael Rausch die abschließenden Ergebnisse im Gemeinderat vor.
Das vom Wirtschaftsministerium Baden-Württemberg geförderte Projekt umfasste mehrere Bausteine: Bei den Innenstadt-Checks in Langensteinbach und Ittersbach brachten Gewerbetreibende, Immobilieneigentümer sowie Bürgerinnen und Bürger ihre Erfahrungen ein. Gemeinsam wurden das örtliche Angebot, Leerstände, Erreichbarkeit und Aufenthaltsqualität betrachtet. Ein Schaufenster-Check und zwei Workshops zu Instagram und Google My Business unterstützten die Gewerbetreibenden dabei, ihre Angebote vor Ort und digital besser sichtbar zu machen. Umfangreiche Passanten- und Onlinebefragungen ergänzten die Bestandsaufnahme um die Wahrnehmungen und Wünsche der Bevölkerung.
Zusätzlich läuft in Langensteinbach eine mehrmonatige Passantenstrommessung. Sie soll Aufschluss darüber geben, wie stark die untersuchten Bereiche zu unterschiedlichen Zeiten besucht werden. Diese Erhebung ist noch nicht abgeschlossen; ihre Ergebnisse liegen daher noch nicht vor.
In Langensteinbach wurden während des Wochenmarktes 100 vollständige persönliche Interviews geführt. Hinzu kamen laut Abschlusspräsentation 296 Onlineinterviews. Die Online-Teilnehmenden konnten zwischen beiden Ortsteilen wählen; etwa zwei Drittel der Befragten bewerteten Langensteinbach, ein Drittel Ittersbach.
Die beiden Befragungsformen erreichten unterschiedliche Zielgruppen. Vor Ort kamen vor allem ältere Menschen zu Wort, die die Ortsmitte regelmäßig besuchen. Online waren mittlere Altersgruppen stärker vertreten. Auch Menschen, die seltener in die Ortskerne kommen, konnten dort ihre Erfahrungen einbringen.
Das hilft, die teilweise deutlich voneinander abweichenden Bewertungen besser zu verstehen und einzuordnen. Die Ergebnisse sind keine repräsentative Gesamtnote der Bevölkerung, sondern zeigen, wie unterschiedliche Nutzergruppen die Ortsmitten wahrnehmen. Untersucht wurden zudem klar abgegrenzte Ortskernbereiche, nicht sämtliche Angebote in den beiden Ortsteilen, die beiden Gewerbegebiete wurden bewusst aus der Betrachtung ausgeschlossen.
Langensteinbach: Platz 32 von 132 im Landesvergleich – jedoch deutlich mehr Aufenthaltsqualität gewünscht
Die persönliche Befragung zeichnet ein überwiegend positives Bild von Langensteinbach. Die meisten Angesprochenen kommen täglich oder wöchentlich in die Ortsmitte. Sie schätzen die gute Erreichbarkeit, die Öffnungszeiten und die günstige Parksituation. Besonders gut schneidet der Wochenmarkt ab: Mehr als acht von zehn Befragten bewerteten ihn mit „gut“ oder „sehr gut“.
Dass der Markt zugleich der häufigste Besuchsgrund war, hängt auch mit dem Befragungstag zusammen. Dennoch wird seine Bedeutung deutlich: Er bringt regelmäßig Menschen in die Ortsmitte und verbindet den Einkauf mit persönlichen Begegnungen.
Auch im Landesvergleich kann sich das Ergebnis sehen lassen: Mit der Durchschnittsnote 2,56 liegt Langensteinbach in der von der IHK vorgestellten Landesliste Baden-Württemberg auf Platz 32 von 132 und damit im oberen Drittel. Grundlage dieser Einordnung ist die persönliche Passantenbefragung in den untersuchten Städten und Gemeinden.

Die Onlinebefragung fällt mit der Durchschnittsnote 3,57 kritischer aus. Hier waren mittlere Altersgruppen und Menschen, die die Ortsmitte seltener nutzen, stärker vertreten. Viele kommen gezielt für einen Behördengang, einen Einkauf, einen Arzttermin oder den Wochenmarkt. Nur wenige nennen die Atmosphäre selbst als Anlass für einen Besuch.
Darin liegt eine zentrale Erkenntnis: Langensteinbach erfüllt wichtige Alltagsfunktionen. Es fehlen aus Sicht vieler Befragter jedoch Gründe, nach einer Erledigung noch zu bleiben oder die Ortsmitte ohne konkreten Anlass aufzusuchen.
Bei den Wünschen stimmen beide Befragungen weitgehend überein. Genannt werden zusätzliche Fachgeschäfte, Cafés und Restaurants ebenso wie mehr Grün, Schatten und Sitzgelegenheiten. Die persönlich Befragten betonen stärker das Einkaufs- und Gastronomieangebot. Online stehen Plätze zum Sitzen und Verweilen sowie eine angenehmere Gestaltung des öffentlichen Raums im Vordergrund.
Für Langensteinbach geht es damit vor allem um eine bessere Verbindung von Versorgung und Aufenthalt: einkaufen und anschließend einen Kaffee trinken, jemanden treffen oder sich auf einem schattigen Platz ausruhen können.
In Ittersbach, wo ausschließlich online befragt wurde, fällt die Bewertung der Ortsmitte mit der Durchschnittsnote 4,31 deutlich kritischer aus. Im Mittelpunkt steht das eingeschränkte Einzelhandelsangebot. Die Mehrheit der Teilnehmenden bewertete es als mangelhaft oder ungenügend.
Die Wünsche sind entsprechend konkret: eine ganztägig geöffnete Bäckerei, ein Lebensmittelmarkt, eine Metzgerei sowie ein Café oder eine Eisdiele. Es geht vor allem darum, alltägliche Besorgungen wieder verlässlich im Ortskern erledigen zu können und dort auch einen Treffpunkt zu finden.
Der Wochenmarkt wird dagegen als Stärke wahrgenommen. Er gehört zu den wichtigsten Besuchsanlässen, erhält überwiegend gute Bewertungen und schafft damit einen regelmäßigen Anziehungspunkt, während sich die Befragten darüber hinaus zusätzliche Versorgungsangebote wünschen.
Wie wichtig die Nähe zum Wohnort ist, zeigt das Mobilitätsverhalten: Fast zwei Drittel der Ittersbacher Online-Teilnehmenden kommen nach eigenen Angaben zu Fuß in die Ortsmitte.
Neben der Nahversorgung werden Leerstände und fehlende Aufenthaltsmöglichkeiten in Ittersbach kritisch gesehen. Das Gesamtbild ist deshalb deutlich: In Ittersbach besteht aus Sicht der Befragten vor allem Bedarf an einer Ortsmitte, die wieder mehr alltägliche Funktionen übernimmt und dadurch auch häufiger genutzt wird.

Die fachlichen Innenstadt-Checks stützen wesentliche Aussagen der Befragungen. Langensteinbach verfügt im untersuchten Bereich über ein breiteres Angebot, insbesondere bei Dienstleistungen. In Ittersbach ist die Auswahl deutlich eingeschränkter. Dort wurden zum Zeitpunkt der Analyse sieben leerstehende Geschäfte erfasst.
Bei der Aufenthaltsqualität sehen die Fachleute in beiden Ortsmitten Verbesserungsbedarf. Veranstaltungen sowie die Bereiche Service und Stadtmarketing werden hingegen vergleichsweise positiv bewertet. Damit zeigt die Untersuchung neben Versorgungslücken auch vorhandene Stärken, auf denen die Ortsmitten aufbauen können.


Für die Information über örtliche Angebote bleibt das Gemeindeblatt wichtig. In beiden Onlinebefragungen war es die am häufigsten genannte Informationsquelle, gefolgt von sozialen Medien. Bei den persönlich Befragten spielten außerdem Internetsuchen und die eigene Vertrautheit mit den Geschäften eine große Rolle.
Die Ergebnisse sprechen dafür, unterschiedliche Informationswege miteinander zu verbinden. Regelmäßige Besucher kennen viele Angebote bereits. Andere müssen erst darauf aufmerksam werden – über das Gemeindeblatt, digitale Kanäle oder Empfehlungen. Auch die Sichtbarkeit der Betriebe gehört damit zur Frage, wie die Ortsmitten genutzt werden.
Die Wünsche nach mehr Geschäften und Gastronomie werfen zugleich eine wirtschaftliche Frage auf: Unter welchen Bedingungen können solche Angebote dauerhaft bestehen? Eine Bäckerei, ein Fachgeschäft oder ein Café benötigt ausreichend Kundschaft und Umsatz. Der in einer Befragung geäußerte Wunsch allein trägt noch keinen Betrieb.
Der Rückgang örtlicher Einkaufsangebote ist Teil des langjährigen Strukturwandels. Wenn Einkäufe ins Internet oder an größere Handelsstandorte verlagert werden, fehlt dieser Umsatz den Geschäften in den Ortskernen. Steigende Betriebskosten, Personalmangel oder eine ungeklärte Nachfolge können die Situation zusätzlich erschweren.
Schließt ein Geschäft, geht häufig mehr verloren als ein Einkaufsangebot: Es entfällt auch ein Anlass, in die Ortsmitte zu kommen. Weniger Besucher können wiederum die benachbarten Betriebe treffen. So beeinflussen sich Versorgung, Besucherzahlen und das Leben im Ortskern gegenseitig.
Attraktive Ortsmitten sind deshalb eine gemeinsame Aufgabe. Gemeinde, Eigentümer und Gewerbetreibende können zwar die Voraussetzungen verbessern und Angebote entwickeln. Ob diese wirtschaftlich bestehen, entscheidet sich jedoch ausschließlich beim täglichen Einkauf. Nur wer vorhandene Geschäfte vor Ort regelmäßig nutzt, trägt auch dazu bei, die wohnortnahe Versorgung zu erhalten.
Mit dem Abschluss des Projekts verfügt die Gemeinde Karlsbad nun über eine umfangreiche Datenbasis. Die Bestandsaufnahmen zeigen, welche Angebote und räumlichen Voraussetzungen vorhanden sind. Die Befragungen ergänzen, wie die Menschen diese nutzen, was sie schätzen und wo sie Lücken sehen.
Michael Rausch bot den Gemeinderatsfraktionen in der abschließenden Sitzung zudem ein gemeinsames, fraktionsübergreifendes Folgegespräch an. Dabei können die Ergebnisse und die Unterschiede zwischen den Erhebungen ausführlicher vorgestellt und erläutert werden.
Der Erkenntnisgewinn liegt vor allem in der differenzierten Betrachtung beider Ortsmitten: In Langensteinbach geht es darum, vorhandene Alltagsangebote mit mehr Aufenthaltsqualität zu verbinden. In Ittersbach steht die Stärkung der Nahversorgung im Vordergrund. Diese Unterschiede lassen sich nun anhand konkreter Rückmeldungen und fachlicher Bestandsaufnahmen beschreiben. Damit liegt eine fundierte Grundlage vor, um die Entwicklung beider Ortskerne gezielt zu beurteilen.
Unterrubriken: