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Moment mal | 03.11.2026

Einen Moment mal bei Gott sitzen bleiben

Manchmal merkt man erst, wie laut es war, wenn es endlich still ist.

Vor ein paar Jahren waren wir als Familie im Herbst im Odenwald beim Vierrittersturm, um einen Drachen steigen zu lassen. Der Turm steht auf einer schönen, großen, freien Wiese. Plötzlich bemerkte ich, wie die Geräusche der Stadt im Hintergrund verblassten und sich eine wohltuende Stille ausbreitete. Nur der Wind blies mir ins Gesicht. Dort oben im Odenwald, neben dem Turm, fiel es mir leicht, Arbeit, Alltag und Anspannung beiseitezuschieben und den Moment zu genießen.

In der Bibel lesen wir, wie Jesus bewusst Orte der Stille aufsuchte, an denen er ganz allein mit Gott sein konnte. Auch seinen Freunden rät er, sich zum Beten allein in ein stilles Kämmerlein zurückzuziehen. Sie brauchen keinen heiligen Ort, sondern nur einen Ort, an dem Ruhe herrscht. Das kann in der Natur sein, beim Vierrittersturm oder auf der Lieblingscouch zu Hause. In der Stille können wir mit Gott reden wie mit einem guten Freund und ihm von unserer Arbeit und unserer Familie erzählen, von dem, was uns freut und was uns Sorgen bereitet. Dabei können unsere Gedanken zur Ruhe kommen. Das kann entlastend und befreiend sein.

Wenn ich mit guten Freunden rede, kommt es vor, dass wir beide schweigen, nachdem wir uns alles erzählt haben. Zusammen sitzen wir auf einer Bank oder auf dem Sofa, hängen unseren eigenen Gedanken nach und genießen die gemeinsame Zeit. Es entsteht eine Oase der Stille, die richtig guttut.

Genauso können wir mit Gott Zeit verbringen, ohne zu reden. Nachdem wir über Arbeit, Alltag und Anspannung gesprochen haben, kann all das für einen Augenblick in den Hintergrund treten und wir bleiben einfach noch ein wenig bei Gott sitzen. Wir können in der Stille einen Moment mit Gott verbringen und entspannt die Zeit zu zweit genießen.

Tobias von Hagen